| 02:38 Uhr

Schlechte Kopfnoten für Sachsens Bildungspolitik

Dresden. Einen knappen Monat nach Beginn des neuen Schuljahrs kam am Mittwoch die große Auswertung im Landtag. "Das Schuljahr hat geordnet begonnen", erklärte Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU). Christine Keilholz / ckz1

1400 Lehrer habe der Freistaat neu eingestellt, "so viele wie nie seit 1990", so die Ministerin.

Doch wo die Probleme liegen, musste Kurth schon in der letzten Ferienwoche einräumen. Auf die 1400 freien Stellen hatten sich lediglich rund 1160 ausgebildete Lehrer beworben, von denen über die Hälfte fürs Gymnasium ausgebildet ist. Viel zu wenige Bewerbungen kamen für Grundschulen, Oberschulen und Förderschulen rein.

Rund 52 Prozent des gesamten neuen Personals sind nun also Lehrer, die keine klassische pädagogische Ausbildung mitbringen - vor einem Jahr waren das noch 48 Prozent. Kurth vermied das Wort "Seiteneinsteiger" für diese neuen Kollegen - lieber sprach sie von "hochschulqualifizierten Fachleuten ohne pädagogische Ausbildung". Sie müssen nun noch eine dreimonatige Einstiegsqualifizierung absolvieren, was den Schulbetrieb in den nächsten Wochen holprig gestaltet.

Grund genug für die größte Oppositionsfraktion, Konsequenzen der CDU-SPD-Staatsregierung zu fordern. Nach Überzeugung von Linken-Fraktionschef Rico Gebhardt wäre es "an der Zeit, dass Ministerpräsident Tillich und Finanzminister Unland die Verantwortung für das heutige Schulchaos übernehmen". Passenderweise hatten die Linken die von ihnen beantragte Debatte gleich überschrieben mit "der CDU die Verantwortung für die Bildungspolitik entziehen". Die Liste mit Verfehlungen, die sie dafür präsentierten, ist lang: fehlende Klassenräume, Lehrermangel, Planungsrückstände beim Schulhausbau. Dazu "eine Schulabbrecherquote von 8,2 Prozent und bundesweit die geringsten Pro-Kopf-Ausgaben bei den allgemeinbildenden Schulen", führte der Linken-Abgeordnete Franz Sodann an.

Dagegen führte die Ministerin Studien ins Feld, bei denen Sachsens Bildungssystem bundesweit gut abschneidet. Wie beim Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft, die Sachsen jüngst zum zwölften Mal in Folge gewonnen hat. Darin wird dem Freistaat neben einer guten Schulqualität auch eine effektive Vermeidung von Bildungsarmut bescheinigt. Die Opposition überzeugt das nicht. Laut der Grünen Petra Zais hat sich das Chaos zum Dauerzustand entwickelt: "Kraft und Energie werden gebraucht, um den Schulalltag einigermaßen zu meistern." Die CDU lässt sich indes nicht aus der Ruhe bringen. Man stelle sich den aktuellen Herausforderungen und erledige "unaufgeregt weiter die Hausaufgaben, trotz eines bundesweit leergefegten Arbeitsmarktes für Pädagogen", erklärte der Bildungspolitiker Lothar Bienst. Die Schülerzahlen sind im neuen Schuljahr wieder gestiegen. An die 402 000 Schüler lernen an den 1356 öffentlichen Schulen. Das sind 5000 mehr als 2017.

Zum Thema:
Laut des Mitte des Monats erschienenen Bildungsmonitors 2017 haben Sachsen, Thüringen, Bayern und Baden-Württemberg die erfolgreichsten Bildungssysteme. Insgesamt haben indes die Fortschritte deutlich nachgelassen. Brandenburg belegt in der Vergleichsstudie nur Rang zwölf. Als gut bewertet der Monitor das Fremdsprachenangebot. Nur wenige Schüler haben demnach ein geringes Kompetenzniveau. Überdurchschnittlich schneidet Brandenburg bei der Vermeidung von Bildungsarmut ab. www.insm-bildungsmonitor.de