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| 08:43 Uhr

„Schärfe des Protests lässt nach“

Am Ende: Die Legida-Demo in Leipzig am Montag war bis auf Weiteres der letzte Aufmarsch. Nur 400 Anhänger kamen.
Am Ende: Die Legida-Demo in Leipzig am Montag war bis auf Weiteres der letzte Aufmarsch. Nur 400 Anhänger kamen. FOTO: Sebastian Willnow (dpa-Zentralbild)
Leipzig/Dresden. Die Leipziger Abendlandretter haben es nie über ein paar Hundert Teilnehmer geschafft. Jetzt packt Legida ein. Was bedeutet das für die Mutterbewegung Pegida? ckz

Die fremdenfeindliche Straßenbewegung Legida ist nach zwei Jahren am Ende. Der Aufmarsch am Montag wird der vorerst letzte sein. Das kündigten die Organisatoren am Abend an. Zu der Demo am Jahrestag hatten sich laut Schätzungen der Forschungsgruppe Durchgezählt knapp 400 Anhänger eingefunden.

Damit waren die Leipziger Abendlandretter einmal mehr deutlich in der Unterzahl. Die Gegenseite war derweil mit bis zu 2000 Leuten auf den Straßen. Der Gegenprotest gegen Legida hatte insgesamt fünf Versammlungen in der Innenstadt angemeldet. Die Polizei vermeldete neun Straftaten im Umfeld der Demos, darunter drei versuchte gefährliche Körperverletzungen, eine Körperverletzung sowie drei Widerstände gegenüber Polizeibeamten. Im gutbürgerlichen Waldstraßenviertel sahen sich die Gegenprotestler in Sicht- und Hörweite Legida gegenüber - die hatte sich das Stadion von RB-Leipzig als Kulisse ausgesucht für die Ankündigung ihres Endes in bisheriger Form.

Nur lokale Bedeutung

Legida hat es als Protestbewegung nie über die lokale Bedeutung heraus geschafft. Der Leipziger Ableger gründete sich im Januar 2015, als die Dresdner Mutterbewegung von Woche zu Woche mehr Menschen anzog. Legida war ein kleineres Grüppchen, setzte aber auf den krasseren Ton. Es waren bekannte Rechtsextreme und harte Kerle aus der Hooligan-Szene, die die Keimzelle von Legida bildeten - anders als die Dresdner Party- und Türsteherclique um Lutz Bachmann und Siegfried Däbritz.

Unterm Strich ohne Erfolg

Deshalb fand Legida, anders als Pegida, auch nie eine breitere Unterstützung und blieb unterm Strich erfolglos. Pegida zog zu Spitzenzeiten - mit 25 000 Teilnehmern im Januar 2015 - Segmente aus der bürgerlichen Mitte an, die die Unzufriedenheit mit der Politik vereinte. Für den Dresdner Politikwissenschaftler Hans Vorländer kommt das Ende von Legida nicht überraschend. "Der Protest hat mit der AfD eine Partei gefunden, damit hat die Protestbewegung auf den Straßen an Dynamik verloren", sagt Vorländer.

Zeitgleich brachte Pegida am Montagabend rund 2000 Anhänger in Dresden auf die Straße. Es ist der harte Kern, der nach dem Hype vor zwei Jahren übrig geblieben ist. Die Frontmänner Bachmann und Däbritz dürfen selbst bis 2021 keine Versammlungen mehr in Dresden anmelden. Das hatte die Stadtverwaltung im November verfügt. Begründung: Sie hält beide Männer für nicht vertrauenswürdig.

Montägliches "Gruppenritual"

Inhaltlich waren bei Pegida am Montag die gewohnten Schmähungen zu hören. Es sei ohnehin nur noch die "Macht der Gewohnheit", die die Gruppe zusammenhält, meint Vorländer. Die montäglichen Treffen sieht der Politikwissenschaftler als Gruppenritual, indes "die Schärfe des politischen Protests lässt auch bei Pegida nach."

In Leipzig macht sich derweil Genugtuung über das Ende von Legida breit. Es zeige, "dass der demokratische Gegenprotest gewirkt hat", sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Holger Mann. Man dürfe nun hoffen, "im neuen Jahr davon verschont zu bleiben, dass auf der Straße verbale Gewalt verbreitet wird".

Das Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz" sieht trotzdem weiter Handlungsbedarf. Der Geist der "besorgten Bürger" existiere weiter, "auch im sich gerne als weltoffen darstellenden Leipzig", teilte das Netzwerk mit, das zwei Jahre lang immer wieder Gegenproteste organisiert hatte.

Legida will künftig weiter im Internet aktiv sein und dort zu Veranstaltungen aufrufen, sagte ein Sprecher. Auch Kabarett-Abende seien denkbar, hieß es. ckz1

Dresden. Der juristische Streit um einen beleidigenden Facebook-Post zwischen Pegida-Chef Lutz Bachmann und einem Verein ist vor dem Dresdner Landgericht mit einem Vergleich beendet worden. Der Dresdner Verein "Mission Lifeline" hatte nach dem diskreditierenden Facebook-Post auf Unterlassung geklagt. Der Post sei allerdings seit Langem gelöscht und damit eine Bedingung der Kläger bereits erfüllt, hieß es zur Begründung. Bachmann, der nicht selbst anwesend war, verpflichtete sich zudem, die Äußerungen in keinem Medium zu wiederholen.

Der Pegida-Chef hatte den Verein in dem Post in ein schlechtes Licht gerückt. "Mission Lifeline" zog im Gegenzug die Klage zurück. Der Verein sammelt Geld für ein Schiff, um Flüchtlinge aus dem Mittelmeer zu retten. dpa/uf Leipzig/Dresden. Die fremdenfeindliche Straßenbewegung Legida ist nach zwei Jahren am Ende. Der Aufmarsch am Montag wird der vorerst letzte sein. Das kündigten die Organisatoren am Abend an. Zu der Demo am Jahrestag hatten sich laut Schätzungen der Forschungsgruppe Durchgezählt knapp 400 Anhänger eingefunden.

Damit waren die Leipziger Abendlandretter einmal mehr deutlich in der Unterzahl. Die Gegenseite war derweil mit bis zu 2000 Leuten auf den Straßen. Der Gegenprotest gegen Legida hatte insgesamt fünf Versammlungen in der Innenstadt angemeldet. Die Polizei vermeldete neun Straftaten im Umfeld der Demos, darunter drei versuchte gefährliche Körperverletzungen, eine Körperverletzung sowie drei Widerstände gegenüber Polizeibeamten. Im gutbürgerlichen Waldstraßenviertel sahen sich die Gegenprotestler in Sicht- und Hörweite Legida gegenüber - die hatte sich das Stadion von RB-Leipzig als Kulisse ausgesucht für die Ankündigung ihres Endes in bisheriger Form.

Nur lokale Bedeutung

Legida hat es als Protestbewegung nie über die lokale Bedeutung heraus geschafft. Der Leipziger Ableger gründete sich im Januar 2015, als die Dresdner Mutterbewegung von Woche zu Woche mehr Menschen anzog. Legida war ein kleineres Grüppchen, setzte aber auf den krasseren Ton. Es waren bekannte Rechtsextreme und harte Kerle aus der Hooligan-Szene, die die Keimzelle von Legida bildeten - anders als die Dresdner Party- und Türsteherclique um Lutz Bachmann und Siegfried Däbritz.

Unterm Strich ohne Erfolg

Deshalb fand Legida, anders als Pegida, auch nie eine breitere Unterstützung und blieb unterm Strich erfolglos. Pegida zog zu Spitzenzeiten - mit 25 000 Teilnehmern im Januar 2015 - Segmente aus der bürgerlichen Mitte an, die die Unzufriedenheit mit der Politik vereinte. Für den Dresdner Politikwissenschaftler Hans Vorländer kommt das Ende von Legida nicht überraschend. "Der Protest hat mit der AfD eine Partei gefunden, damit hat die Protestbewegung auf den Straßen an Dynamik verloren", sagt Vorländer.

Zeitgleich brachte Pegida am Montagabend rund 2000 Anhänger in Dresden auf die Straße. Es ist der harte Kern, der nach dem Hype vor zwei Jahren übrig geblieben ist. Die Frontmänner Bachmann und Däbritz dürfen selbst bis 2021 keine Versammlungen mehr in Dresden anmelden. Das hatte die Stadtverwaltung im November verfügt. Begründung: Sie hält beide Männer für nicht vertrauenswürdig.

Montägliches "Gruppenritual"

Inhaltlich waren bei Pegida am Montag die gewohnten Schmähungen zu hören. Es sei ohnehin nur noch die "Macht der Gewohnheit", die die Gruppe zusammenhält, meint Vorländer. Die montäglichen Treffen sieht der Politikwissenschaftler als Gruppenritual, indes "die Schärfe des politischen Protests lässt auch bei Pegida nach."

In Leipzig macht sich derweil Genugtuung über das Ende von Legida breit. Es zeige, "dass der demokratische Gegenprotest gewirkt hat", sagt der SPD-Landtagsabgeordnete Holger Mann. Man dürfe nun hoffen, "im neuen Jahr davon verschont zu bleiben, dass auf der Straße verbale Gewalt verbreitet wird".

Das Aktionsnetzwerk "Leipzig nimmt Platz" sieht trotzdem weiter Handlungsbedarf. Der Geist der "besorgten Bürger" existiere weiter, "auch im sich gerne als weltoffen darstellenden Leipzig", teilte das Netzwerk mit, das zwei Jahre lang immer wieder Gegenproteste organisiert hatte.

Legida will künftig weiter im Internet aktiv sein und dort zu Veranstaltungen aufrufen, sagte ein Sprecher. Auch Kabarett-Abende seien denkbar, hieß es.