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Sächsische Hilfe für Feuerwehr in Südafrika

Feuerwehrchef Karl-Heinz Schneider (vorne r.) ist mit seinen Männern zu Gast in Rustenburg in Südafrika. Ephraim Mflowe (M.) und sein Team lernten für die WM von den Leipzigern. Foto: ddp
Feuerwehrchef Karl-Heinz Schneider (vorne r.) ist mit seinen Männern zu Gast in Rustenburg in Südafrika. Ephraim Mflowe (M.) und sein Team lernten für die WM von den Leipzigern. Foto: ddp FOTO: ddp
Dresden. Der Südafrikaner Ephraim Mfolwe bekämpft jedes Jahr große Buschfeuer und rückt bereits seit 23 Jahren zu riskanten Brandeinsätzen in seiner Stadt Rustenburg aus. Was er aber mit seinem Team der Feuerwehrwache bei einer Evakuierung des Royal Bafokeng Stadion während der Fußball-WM 2010 beachten müsste, weiß der 49 Jahre alte Feuerwehrchef zumindest aus eigener Erfahrung noch nicht so genau. Damit trotzdem in einem solchen Fall alles klappt, bekam Mfolwe im Februar ungewohnte Unterstützung von deutschen Kollegen aus dem fernen Leipzig. Von Yasmin Schulten

„Austragungsorte der Fußballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland sind eine Partnerschaft mit einer Spielstätte der WM 2010 in Südafrika eingegangen“, erzählt der Leipziger Branddirektor Karl-Heinz Schneider. „So ist München Partner von Kapstadt, Hamburg der von Johannesburg, Hannover von Port Elisabeth und wir sind Partner von Rustenburg.“ Wichtige Erfahrungen sollen auf diese Weise von den alten an die neuen Spielstätten weitergegeben werden. Außerdem solle so sichergestellt werden, dass überall im Lande der gleiche Standard gelte, sagt Schneider.

Katastrophenschutz

Der 53 Jahre alte Feuerwehrchef und sein Kollege Mario Mischok sind bereits zum zweiten Mal in Rustenburg. Nachdem sie den südafrikanischen Kollegen schon während des Umbaus des Stadions mit Tipps zur Seite standen, steht beim jüngsten Besuch ein mehrtägiger Workshop zum Thema Katastrophenmanagement auf dem Programm. Dabei verstünden sich Schneider und sein Team weniger als Lehrer denn als Partner, betont der Rustenburger Feuerwehrchef Mfolwe: „Die Deutschen drängen uns keine Pläne auf, sondern unterstützen uns bei unseren eigenen Plänen. Das hilft uns sehr.“ Und auch Schneider spricht von einem „kollegialen Miteinander auf Augenhöhe“. Vorschriften wolle hier niemand machen.

Thematisch wollen die Deutschen ihren Kollegen während des mehrtägigen Workshops vermitteln, was im Fall von „worst case scenarios“ wie einer Explosion oder einem terroristischen Anschlag zu tun ist. Nach dem Theorieteil, bei dem sie unter anderem die richtige Verteilung der Kräfte auf verschiedene Einsatzorte im und außerhalb des Stadions lernen, steht im Frühjahr eine praktische Übung im Stadion an. „Um das so realitätsgetreu wie möglich zu gestalten, sollen Hunderte Teilnehmer verletzte Fans spielen, die auf Pritschen abtransportiert werden müssen“, berichtet Schneider. Dabei werde auch bessere Teamarbeit geübt. Denn bislang haben die verschiedenen Einsatzkräfte offenbar aneinander vorbei gearbeitet, vermutet Schneider und betont: „Am Wichtigsten bei der WM wird sein, dass alle Beteiligten von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei genau wissen, was wer wann zu tun hat.“

„Wir brauchen bei unserem Workshop nicht bei null anzufangen“, sagt Schneider. Und sein Kollege Mischok fügt hinzu: „Die Ausbildung der Männer ist sicherlich mit der in Deutschland vergleichbar.“

„WM ist sicher“

Was den allgemeinen Standard angehe, sehe es in Südafrika jedoch etwas anders aus. Insgesamt gebe es weniger Personal und weniger technische Ausstattung, als es in einer vergleichbaren Stadt in Deutschland der Fall wäre. Für die WM bedenklich sei das aber nicht, sagt Schneider. Nach Aufstockung des Personals werden insgesamt 80 Feuerwehrleute, 150 Polizisten und ein 160-köpfiges Rettungsdienstteam die Sicherheit während der WM gewährleisten. Außerdem will Mfolwe rund 120 Reservisten ausbilden. Feuerwehrleute in Sachsen, die Fort- und Weiterbildungen absolvieren wollen, gehen oftmals leer aus. Laut einer Aufstellung aus dem Innenministerium wurde 2009 nur jeder dritte Antrag auf eine Bildungsmaßnahme an der Landesfeuerwehrschule in Nardt bewilligt. Wie aus einer Antwort von Innenminister Markus Ulbig (CDU) auf eine Kleine Anfrage der FDP hervorgeht, gingen zwei Drittel der Lehrgangswünsche aus den freiwilligen Feuerwehren ins Leere: So wurden voriges Jahr rund 6800 Kurse bei der Landesfeuerwehrschule in der Lausitz beantragt, aber lediglich 2218 Anfragen genehmigt.

Am deutlichsten ist demnach das Missverhältnis im Landkreis Leipzig: Von 1071 Anträgen bekamen nur 265 Gesuche grünes Licht – ein Negativrekord von mageren 24,7 Prozent. Im Landkreis Görlitz lag die Quote bei 29 Prozent (163 Zusagen für 566 Anmeldungen), im Kreis Bautzen bei 34 Prozent (267 Zusagen für 797 Anmeldungen).

„Wir sind schlicht ausgelastet“, sagte der Leiter der Landesfeuerwehrschule, Lutz Fichtner, der RUNDSCHAU. Er verfüge über 22 Lehrer und habe insgesamt 125 Internatsplätze. Fichtner: „Fehlt einem Einsatzleiter die notwendige Ausbildung, ist im Extremfall kein Ausrücken möglich.“

Die Fraktionen kündigten nun an, mit dem Innenministerium an der Lösung des Problems zu arbeiten. So sollen der Personaleinsatz optimiert und Lehrgänge künftig auch am Heimatstandort der freiwilligen Feuerwehren durchgeführt werden.