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Sächsiche Pfadfinder im großen Lager

Sie singen am Lagerfeuer zur Gitarre, tragen ein grünes Hemd mit einem blauen Halstuch und vollbringen jeden Tag eine gute Tat. Martin Herling aus Zittau, Johanna Wolf aus Dresden und Tobias Jahn aus Grimma sind Pfadfinder. Zusammen mit rund 4600 anderen Jugendlichen aus 19 Nationen zelten sie noch bis zum 12. August in einem Waldgebiet nahe Großzerlang (Ostprignitz). Von Benjamin Lassiwe

Denn dort findet derzeit unter dem Motto "100pro. Die Welt gestalten" das 7. Bundeslager des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) statt, der mit rund 49.000 Mitgliedern eine der größten christlichen Jugendorganisationen Deutschlands ist.
"Die erste Nacht hier draußen war ziemlich kalt", sagt Johanna Wolf, die durch ihre Brüder zum Pfadfinden gekommen ist. Auch die Verpflegung sei noch nicht ganz optimal: "Gestern Abend hatten wir zerkochte Nudeln, die eine Stunde im Wasser gelegen hatten und dann im Dunkeln mit Speck und Käse angebraten wurden." Denn bei den Pfadfindern gibt es keine hauptamtlichen Köche. Die Jugendlichen müssen ihre Zelte selbst aufstellen, und auch das Kochen und die Organisation des Lagers selber übernehmen. Schließlich fährt man ja nicht einfach nur zum Campingurlaub. "Pfadfinden ist eine Lebenseinstellung", sagt Martin Herling. Als Pfadfinder lerne man, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen. "Alles ist nur so gut, wie es die Gruppe gemeinsam organisieren kann." Und man lerne, die Welt um sich herum mit anderen Augen zu sehen: Zum Beispiel, we nn man gemeinsam einen Bach von dem Unrat befreit, den andere Zeitgenossen dort hineingeworfen haben. Natürlich müssten sich die Jugendlichen dafür auch manchmal von Altersgenossen böse Witze anhören: "Sie nennen uns Keksverkäufer, weil in amerikanischen Spielfilmen oft Pfadfinder zu sehen sind, die Kekse für einen wohltätigen Zweck verkaufen", sagt Tobias Jahn.
Die sächsischen Pfadfinder freilich haben das noch nie gemacht. Während des Bundeslagers wollen sie sich vielmehr mit dem Thema "Frieden" beschäftigen. Zusammen mit Pfadfindern aus Israel, Palästina, Kuwait und Ägypten will man sich über gewaltfreie Konfliktlösungen informieren. Und ein Besuch im Bundestag steht für einige der Pfadfinder ebenso auf dem Programm wie eine Fahrt in die KZ-Gedenkstätte Ravensbrück. Denn schließlich hatte selbst der brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) bei der Eröffnung des Zeltlagers die Jugendlichen aufgefordert: "Bemüht Euch darum, dass Frieden in die Welt kommt. Ihr seit die Generation, die das künftig schaffen muss!" Die legendären guten Taten sollen dabei allerdings nicht vergessen werden: In den Orten rund um das Bundeslager stehen zahlreiche Arbeitseinsätze auf dem Programm, etwa die Anlage eines Spielplatzes auf dem Gelände eines Jugenclubs. Und auch für ein Unicef-Projekt in Afrika wollen die Jugendlichen Geld sammeln.
Die Pfadfinder aus Sachsen jedenfalls freuen sich auf die Gemeinschaft mit Gleichaltrigen aus der ganzen Welt. "Es ist toll, was man hier alles für Leute kennenlernen kann", sagt Martin Herling. In den Workshops und Projekten ebenso wie bei den Andachten und Gottesdiensten, auf die der evangelische Pfadfinderverband natürlich einen besonderen Wert legt. Und vielleicht geht es den jungen Sachsen ja eines Tages dann so wie dem saarländischen Pfarrer Gerhard Wollschläger, der seit mehr als 30 Jahren regelmäßig zu den unterschiedlichsten Pfadfindertreffen fährt. "Bei uns ist das Pfadfindertum fest in der Familie verankert", sagt der Theologe. "Und mittlerweile habe ich einen Sohn und vier Enkel hier im Lager."

Zum Thema Ein Camp der Superlative auf 35 Hektar
 Das VCP-Bundeslager findet vom 3. bis 12. August auf einer Fläche von 35 Hektar in Großzerlang bei Rheinsberg statt. Es besteht aus rund 600 Zelten, darunter einer eigenen Krankenstation mit 20 Betten, einem Supermarkt, einer Kapelle und einer Amateurfunkstation. Zur Ver- und Entsorgung des Lagers haben die Pfadfinder insgesamt 3,5 Kilometer Rohrleitungen verlegt. Zum Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) gehören 49 000 Jugendliche in rund 600 Ortsgruppen. Zu den bekanntesten VCP-Mitgliedern gehören der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischof Wolfgang Huber, der eigenen Angaben zufolge durch die Pfadfinderarbeit zum Glauben fand, und der Cottbuser SPD-Bundestagsabgeordnete und evangelische Pfarrer Steffen Reiche.