| 11:58 Uhr

Polizei Sachsen
Neuer Panzerwagen mit alter Stickerei

Leipzig. Kaum ist er im Dienst, gibt es auch schon Ärger mit dem nagelneuen Panzerwagen „Survivor R“, der am Freitag der sächsischen Polizei übergeben worden ist. Von Frank Hilbert

Anlass sind die Stickereien auf den Sitzen des 1,5 Millionen Euro teuren Spezialfahrzeugs, von dem am 18. Dezember ein zweiter in Leipzig übergeben werden soll. Über Twitter sind am Wochenende Fotos verbreitet worden, die besagte Stickereien zeigen. In altdeutscher Schrift steht dort „Spezialeinsatzkommando“ und „Sachsen“, ergänzt durch das Wappen des Freistaates Sachsen, umrahmt von einem Lorbeerkranz. Die Gemüter erhitzen sich daran, dass dies alles sehr an nationalsozialistische Zeiten erinnere.

Das sächsische Innenministerium hat darauf reagiert – ebenfalls über Twitter: „Das Fahrzeug wurde mit dieser Bestickung der Sitze vom Hersteller so ausgeliefert. Auch wenn die vom Hersteller gewählte Schriftart nicht dem Markenhandbuch entspricht: Darin ein Indiz für rechte Attitüde zu sehen, weisen wir entschieden zurück.“

Bewaffnete Polizisten des SEK stehen während der Präsentation des neuen Panzerwagens "Survivor R" in Leipzig vor dem Fahrzeug. Zwei dieser Fahrzeuge stehen den Spezialeinheiten des Landeskriminalamtes ab sofort zur Verfügung und sollen bei Amok- oder Terrorlagen zum Einsatz kommen.
Bewaffnete Polizisten des SEK stehen während der Präsentation des neuen Panzerwagens "Survivor R" in Leipzig vor dem Fahrzeug. Zwei dieser Fahrzeuge stehen den Spezialeinheiten des Landeskriminalamtes ab sofort zur Verfügung und sollen bei Amok- oder Terrorlagen zum Einsatz kommen. FOTO: Hendrik Schmidt / dpa

Allerdings hat Sven Mewes vom Landeskriminalamt Sachsen in einem vom Innenministerium veröffentlichten Video betont: „Insgesamt ist das Fahrzeug so, wie wir uns das vorgestellt haben.“ (im Video ab Minute 2,17)

Der Sprecher des LKA Saschen, Tom Bernhardt, klärt am RUNDSCHAU-Telefon auf: „Das Logo hat nichts mit Rechtsradikalismus zu tun, sondern lehnt sich an ein Logo der Kollegen aus Baden-Württemberg an, das seinerzeit gewissermaßen als Aufbauhilfe diente. Dieses gibt es bereits seit 1991.“ Diese Darstellung mit den stilisierten Adlerschwingen würde auch ähnlich in der internen Kommunikation benutzt.

Was das Wappen anbelange, so sei dies eine „Eigenkreation und nichts aus der Vergangenheit“. „Die Krone über dem sächsischen Wappen bezieht sich auf unseren Funkruf-Namen des SEK ,Krone’. Die beiden Löwen sollen die Stadt symbolisieren, in der das SEK ansässig ist, Leipzig, das einen Löwen im Stadtwappen trägt.“ Zur kritisierten Schrift meinte Bernhardt, dass dies „kein nationalsozialistischer Bezug“ sei. „Die Nazis haben zudem diese Frakturschrift verbieten lassen, weil sie ihnen zu jüdisch war.“ Die Sitze seien vom Hersteller wunschgemäß so bestickt worden.

Die von Rheinmetall hergestellten Wagen seien nach den Anschlägen in Paris im Jahr 2015 speziell für die sächsische Polizei entwickelt worden, sagte Sachsens SEK-Chef. In dem 6,7 Meter langen und 2,45 Meter breiten Fahrzeug haben neben Fahrer elf Menschen Platz. Im Inneren befindet sich unter anderem eine spezielle Kamera, über einen Mehrzweckaufsatz können Rauch oder Reizgas versprüht werden. Der Panzerwagen fährt bis zu 100 Kilometer pro Stunde.

Auch die Polizei in Brandenburg besitzt seit dem 10. November dieses gepanzerte Fahrzeug, allerdings von der Firma Achleitner, weshalb der Panzerwagen die Bezeichnung „Survivor“ ohne dem „R“ trägt. Und was haben die Brandenburger auf ihren Sitzen? „Gar nichts, und es ist auch nichts vorgesehen“, sagt Torsten Herbst, Sprecher des Polizeipräsidiums Potsdam. „Eine Bestickung der Sitze spielte für uns keine Rolle, denn wir legen Wert vor allem auf Funktionalität“, betont der Sprecher.

Stationiert sei das Spezialfahrzeug in der Direktion „Besondere Dienste“, wo auch unter anderem die Hubschrauberstaffel, die Bereitschaftspolizei sowie die Spezialeinheiten und Spezialkräfte integriert sind. (mit dpa)