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| 18:36 Uhr

Sachsen
Schollbach fordert Gebhardt heraus

André Schollbach
André Schollbach FOTO: Oliver Killig / dpa
Leipzig/Dresden. Sachsens Linke wurde bei der Bundestagswahl gehörig gerupft. Die Folge ist ein Machtkampf.

Die Ära des Landesvorsitzenden Rico Gebhardt endet an diesem Wochenende in Chemnitz. Das hat drei Gründe: Beim Landesparteitag wählen Sachsens Linke ihre Spitze neu. Gebhardt hat acht Jahre als Mann an der Spitze hinter sich – die Satzung empfiehlt nicht mehr als acht Jahre. Und dann ist da noch Bundestagswahl gewesen, die für den Landesverband desaströs ausfiel. Die langjährige zweitstärkste Partei holte 16,1 Prozent – sie verlor vier Prozent im Vergleich zur Bundestagswahl 2013.

Zu Gebhardts Glück gibt es aber eben noch die beiden ersten Gründe für einen geordneten Rückzug – das ersparte es der Parteispitze, ihren gewaltigen Verlust am 24. September öffentlich auszuwerten. Ohnehin erzeugt der Erdrutsch bei Sachsens Linken kaum so viel Aufmerksamkeit wie der bei der sächsischen CDU, die sich derzeit ebenfalls infolge der Wahl neu ordnet.

Auch das ist ein drängendes Problem der Linken – die Frage: Wer interessiert sich eigentlich noch für uns, wenn es überall nur noch um die Jamaika-Koalition und um die AfD geht? Und so warnten die Bundestagsabgeordneten Sören Pellmann, Caren Lay und André Hahn in dieser Woche vor einer „bundesweiten Konstellation“, in der die Linke Gefahr laufe, „nicht nur an öffentlicher Aufmerksamkeit, sondern auch an politischer Bedeutung zu verlieren“.

Der sächsische Landesverband – der größte der Gesamtpartei – sucht nun nach einer neuen Führungsfigur. Gebhardt versucht das Gleiche wie sein Rivale auf der Landesbühne, Ministerpräsident Stanislaw Tillich: Geordneter Rückzug bei sofortiger Präsentation eines Wunschnachfolgers. Doch die innerparteiliche Begeisterung über die von Gebhardt favorisierte Landesgeschäftsführerin Antje Feiks hält sich in Grenzen. Gestern warf schließlich der Landtagsabgeordnete André Schollbach offiziell seinen Hut in den Ring. Der 39-jährige Rechtsanwalt aus Dresden will den 54-jährigen Gebhardt beerben – und hat viel Unterstützung. „André ist ein profilierter Landespolitiker, der im Parlament fraktionsübergreifend Respekt und Anerkennung genießt, über eine starke kommunale Verankerung in der Landeshauptstadt verfügt“, schreiben die Bundestagsabgeordneten Pellmann, Lay und Hahn in einer entsprechenden Erklärung. Alles in allem sehen sie in Schollbach den geeigneten Kandidaten für den notwendigen Aufbruch der sächsischen Linken.

Auch einige Landtagsabgeordnete stärken Schollbach den Rücken, unter ihnen der Rechtspolitiker Klaus Bartl aus Chemnitz, die Sozialpolitikerin Susanne Schaper, die Leipziger Schulpolitikerin Cornelia Falken und der Sorbe Heiko Kosel.

Damit sind es nun wieder die drei großen Stadtverbände, die den Aufstand gegen Gebhardt wagen. Gerade die stolzen Leipziger hatten seit jeher mit dem gelernten Koch aus Aue ihre Probleme. In den Städten erfreut sich die ansonsten schrumpfende Linke regen Zustroms von jungen Leuten aus dem Uni- und Antifa-Milieu. Auf dem Land hingegen werden die Stühle leer.

Den Ausgleich zwischen hier und dort, Jung und Alt, DDR-Veteranen und jungen Wilden hat Gebhardt mit seinem anti-intellektuellen Ansatz zwar lange ganz ordentlich geschafft. Doch der Preis war hoch: Eine Landtagswahl und zwei Bundestagswahlen vergeudete die Partei ohne eine präsentable Spitzenfigur, die das Machtmonopol der CDU hätte brechen können. Jetzt läuft die Zeit davon.

Umso entscheidender wird die anstehende Vorstandswahl. Es geht auch darum, wer die Linke in den Landtagswahlkampf 2019 führt. Diese Wahl wird für die schrumpfende Linke die wahrscheinlich letzte Chance für den Machtwechsel im Freistaat.