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Sachsens gute Stube in Prag

Das Verbindungsbüro des Freistaates Sachsen in Prag ist in diesem Haus vor fünf Jahren eingeweiht worden.
Das Verbindungsbüro des Freistaates Sachsen in Prag ist in diesem Haus vor fünf Jahren eingeweiht worden. FOTO: dpa
Dresden/Prag. Seit fünf Jahren leistet sich Sachsen eine ständige Vertretung in der tschechischen Hauptstadt. Profitieren sollen davon auch die Sorben in der Lausitz. Christine Keilholz

Zuletzt ging es in der tschechisch-sächsischen Zusammenarbeit um Lehrer für das Sorbengebiet. Im April traf sich der Chef der Staatskanzlei, Fritz Jaeckel (CDU), mit dem stellvertretenden tschechischen Bildungsminister Stanislav tech dazu in Prag. Sachsen braucht zweisprachige Lehrer für die sorbischen Schulen in Sachsen - junge Tschechen könnten helfen, die Lücke zu füllen. Konkret hieß es, Sachsen wolle tschechischen Lehrern ermöglichen, sich in Sorbisch zu qualifizieren und ihnen dafür den Zugang zum Lehrerberuf eröffnen.

Seit fünf Jahren unterhält Sachsen ein Verbindungsbüro in der tschechischen Hauptstadt. Ein Schaufenster für "sächsische Ideen, sächsische Produkte, sächsische Kultur und für die Menschen, die dahinter stehen", sagte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) bei der Eröffnung im Juni 2012. Es ist eine von drei kleinen Quasi-Botschaften, die der Freistaat im Ausland unterhält - neben den Verbindungsbüros in Breslau und in Brüssel. Sachsen leistet sich diese Schaufenster, um unabhängig von Berlin eigene Kontakte bei den Nachbarn zu unterhalten.

Anders als Brandenburg, das nur eine Landesvertretung in Brüssel unterhält. Die Verbindungsbüros seien ein "wichtiger Koordinator und Multiplikator der bilateralen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit", heißt es aus der Dresdner Staatskanzlei.

Sachsens Verbindungsbüro ist eine wichtige Säule der Außenwerbung des Freistaats. Es präsentiert Sachsen als vielfältig in Bildung und Wissenschaft, als Ort zum Investieren und zum Hinfahren. Zudem geht es um nachbarschaftliche Zusammenarbeit, wie bei gemeinsamen Verkehrsprojekten. Von denen gibt es einige, an denen beiden Seiten viel liegt. Die Autobahn zwischen Dresden und Prag konnte 2016 nach langer Bauzeit eröffnet werden. Jetzt machen beide Länder Druck für eine Schnellbahnstrecke - die allerdings noch länger dauern dürfte.

Denn die deutsch-tschechische Eisenbahnverbindung durch das Elbtal im Elbsandsteingebirge ist wichtiger Bestandteil der europäischen Eisenbahnachse TEN 22. Auch wenn es zwischen Dresden und Prag nicht weit ist - hier muss in größeren Dimensionen geplant werden. Immerhin können beide Seiten gemeinsam Druck machen, wie letztens im Februar, als Tillich und Tschechiens Premier Bohuslav Sobotka gemeinsam die Dringlichkeit der Neubaustrecke anmahnten.

Das Verbindungsbüro ist für solche Projekte der Ansprechpartner vor Ort. Seit der Eröffnung 2012 residiert die ständige Vertretung Sachsens im Gebäude des Lausitzer Seminars, wo 200 Jahre lang junge Sorben zu Geistlichen ausgebildet wurden. Das denkmalgeschützte Gebäude befindet sich auf der Kleinseite in der Nähe der Karlsbrücke. 1922 wurde das Gebäude vom Bistum Meißen an die Stadt Prag verkauft, heute gehört es dem tschechischen Staat.

Zur Fünf-Jahres-Feier reiste gestern das gesamte sächsische Kabinett nach Prag. Als Gast war Tschechiens Wissenschaftsminister Pavel Belobradek dabei. Regierungschef Sobotka kam später zum Empfang im Palais Liechtenstein am Ufer der Moldau. Zusammen mit vielen anderen Vertretern aus Politik, Kultur und Gesellschaft.