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Sachsens FDP bleibt Holger Zastrow treu

Geschafft. Mit viel Charme brachte Holger Zastrow die Mehrheit der Abgeordneten hinter sich.
Geschafft. Mit viel Charme brachte Holger Zastrow die Mehrheit der Abgeordneten hinter sich. FOTO: dpa
Glauchau. Viel gibt es aufzuarbeiten nach zwei verlorenen Wahlen und zweieinhalb Jahren in der politischen Versenkung. Trotzdem entschieden sich Sachsens Liberale beim Parteitag für die alte Führungsmannschaft. Christine Keilholz / ckz1

Der Parteitag in der Sachsenlandhalle lief am Sonnabend schon zweieinhalb Stunden, als sich zum ersten Mal abzeichnete, dass das diesmal nicht einfach würde für den langjährigen Frontmann Holger Zastrow. Da nämlich stieg der Herausforderer aufs Ross. "Zeigen wir den Wählern in Sachsen, wir stehen für den Neuanfang mit einem neuen schlagkräftigen Team", sagte Parteivize Robert Malorny. Der 38-jährige Dresdner warf als erster aussichtsreicher Kandidat seit Jahren seinen Hut in den Ring. Und für ein paar Stunden sah es so aus, als könnte er Zastrow den Parteivorsitz streitig machen.

Malorny führte auch einiges ins Feld, das sich nicht leugnen lässt: Seit die Partei 2013 aus dem Bundestag flog, hat der sächsische Landesverband 15 Prozent seiner Mitglieder verloren. Hinzu kämen "die schlechtesten Umfragewerte aller Landesverbände", so der Herausforderer, der selbst erst vor drei Jahren FDP-Mitglied wurde. Die Gruppe der Opponenten rund um Malorny war nicht klein auf diesem Parteitag. Überhaupt war selten so viel Kritik am Chef wie an diesem Sonnabend. "Die Bundespartei hat sich aufgemacht in einem Leitbildprozess", sagte der Leipziger Markus Viefeld. "Dieser Leitbildprozess ist an unserem Landesverband vollkommen vorbeigegangen."

Andere Redner bedauerten, dass sich der Landesverband nicht schon vor zwei Jahren für den Neuanfang entschied. Damals hatte Zastrow erstmals seit Jahren einen Gegenkandidaten um den Landesvorsitz. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Heinz-Peter Haustein bekam damals 61 Stimmen - Zastrow kam auf 145. Ein eindeutiges Ergebnis für das "Weiter so". Auch deshalb, weil der damals 60-jährige Gegenkandidat, der urige Tubaspieler und Bernsteinzimmer-Sucher aus Deutschneudorf, nun wirklich kaum einen Neuanfang verkörpern konnte.

Gemessen daran musste Holger Zastrow diesmal viel Charme aufbringen, um die 245 Delegierten auf seine Seite zu ziehen. Und so inszenierte sich der 48-jährige Werbeunternehmer aus Dresden, der seit 1999 die Geschicke der sächsischen FDP bestimmt, einmal mehr als leibhaftige One-Man-Show. "Ihr kennt mich. Ich trete den Leuten auch auf die Füße. Sorry an die, denen es passiert ist." Ansonsten viel Markiges. Die Liberalen seien "nie nur Politiker" gewesen, nein "unsere Leute sind die Aktiven in der Gesellschaft, das ist unsere Chance".

Das Trauma der fünf Jahre Koalition mit der CDU streifte Zastrow in seiner langen Rede nur, ohne zu viel davon zu sprechen. Ja, man habe sich von der großen CDU zu viel abtrotzen lassen. Mit dem Ergebnis, dass die FDP 2014 gleich ganz aus dem Landtag flog mit niederschmetternden 3,8 Prozent. Aber Schwamm drüber. "Lasst uns einen Eid schwören", schmetterte Zastrow in den Saal, "Wir lassen uns nie wieder ins Bockshorn jagen!"

Viele in der Partei meinen heute noch, das Mitregieren wäre weniger zum Desaster geworden, wäre der Spitzenmann 2009 selbst Wirtschaftsminister geworden, statt den Anti-Charismatiker Sven Morlok vorzuschicken. Eine von vielen strategischen Fehlentscheidungen der Ära Zastrow, die ihm die Partei am Ende doch verzieh.

So auch diesmal. Im Waffengang mit Robert Malorny setzte sich Zastrow auf den ersten Streich durch.

Zastrow erhielt 127 Stimmen, sein Gegenkandidat 101. Womit sogleich klar war, dass auch der Rest des Vorstands aus bekannten Gesichtern bestehen würde. Generalsekretär bleibt der Dresdner Torsten Herbst, den die Partei im März zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl wählte. Stellvertreter wurden die Markkleebergerin Anja Jonas und der Ex-Wirtschaftsminister Jürgen Martens aus Meerane sowie der Chemnitzer Frank Müller-Rosentritt.