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| 02:37 Uhr

Sachsen verbraucht zu viel Platz

Asphaltierte Parkplätze, betonierte Wohnsiedlungen und gepflasterte Einfahrten werden zum Problem. Bis 2020 will Sachsen den Flächenverbrauch drastisch eindämmen – auf zwei Hektar pro Tag.
Asphaltierte Parkplätze, betonierte Wohnsiedlungen und gepflasterte Einfahrten werden zum Problem. Bis 2020 will Sachsen den Flächenverbrauch drastisch eindämmen – auf zwei Hektar pro Tag. FOTO: dpa
Dresden. Asphaltierte Parkplätze, betonierte Wohnsiedlungen und gepflasterte Einfahrten werden zum Problem. Bis 2020 will Sachsen den Flächenverbrauch drastisch eindämmen Christine Keilholz / (ckz1) ckz1

Der aktuelle Landesentwicklungsbericht fasst das Problem in technischen Worten zusammen. Von der dringenden Notwendigkeit zu "mehr Flächennutzungseffizienz" ist dort die Rede. Städte und Dörfer müssten sich perspektivisch zu "kompakten Siedlungskörpern" entwickeln. Das drohende "Ausein anderfallen der Siedlungsstrukturen trotz notwendiger Rückbaumaßnahmen" sei eine der "größten Herausforderungen der nächsten Jahre".

Weniger technisch ausgedrückt: Die Sachsen verschwenden viel von ihrem kostbaren Land. Und viel zu viel davon verschwindet unter Asphalt und Beton.

In Zahlen sieht das so aus: Derzeit gehen pro Tag etwa vier Hektar der gesamten Landesfläche für Siedlungsbau drauf. Viel zu viel, wie die Experten vom Dresdner Innenministerium finden. Ihr Ziel: Bis zum Jahr 2020 sollen es nicht mehr als zwei Hektar pro Tag sein. Die Siedlungsflächen nahmen in Sachsen jahrelang kontinuierlich zu - dabei sank gleichzeitig die Bevölkerungszahl. Beide Trends haben sich erst etwa seit 2010 verlangsamt.

Es ist auch der Traum vom Eigenheim, dem immer mehr Fläche zum Opfer fällt. Leider ziehen viele Menschen "lieber auf die grüne Wiese, wo die Aussicht besser ist", statt in die Orte, wo alles in der Nähe ist, sagt Wolf-Uwe Sponer, Referatsleiter für Landes- und Regionalplanung im Innenministerium. Rund eine halbe Million Eigenheime zählte der Zensus 2011 in Sachsen. Sie machen damit 20 Prozent der Wohnungen aus.

Der Trend zum Häuschen ist seit 2010 ungebrochen. Zwei Drittel aller neu gebauten Wohnungen sind Eigenheime, das geht aus dem Wohnungsbaumonitoring der Sächsischen Aufbaubank hervor. Kommunen reagieren darauf, indem sie immer neue, möglichst hübsch gelegene Baugebiete ausweisen.

Was man in Dresden aber mit Sorge betrachtet. Der Landesentwicklungsbericht warnt vor einer "ungesteuerten Bauflächenentwicklung", die dem schonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen widerspreche.

Zudem hat die Zersiedelung der Landschaft auch wirtschaftliche Konsequenzen: Das Wachstum von Siedlungen in den unbebauten Raum hinein ist schlichtweg teuer. Dadurch wachsen die Kosten für die Infrastruktur - und die Kosten für den Weg zur Arbeit, die durch die Pendlerströme ansteigen. Siedlungen werden monotoner, Tiere und Pflanzen verlieren ihren Lebensraum.

Am größten ist das Problem in den "beengten oder landschaftlich reizvollen Tallagen", wo viele Menschen gern wohnen möchten. Wenn nicht gegengesteuert würde, würden diese Oasen langsam aber sicher zu einer "ungegliederten Siedlungslandschaft" mutieren, wo die Ortskerne öde aussehen und keine frische Luft mehr zu haben ist.

Gegen den Flächenfraß setzt das Innenministerium auf Recycling. Neubauten sollen demnach flächensparend entstehen, möglichst in Baulücken oder auf den Flächen abgerissener Brachen. Millionen hat der Freistaat bereits in den Abriss von alten Fabriken und Wohnblöcken investiert, damit an Ort und Stelle neue Häuser entstehen können.

Bebaubares Land ist an sich genügend da - darunter brachgefallene Baugebiete oder Reserveflächen innerorts.

Sachsens rund 1,8 Millionen Hektar Landesfläche werden zum größten Teil landwirtschaftlich genutzt. Eine Million Hektar machen Felder, Äcker oder Weiden aus. Weitere 500 000 Hektar sind Wald. Städte, Dörfer und sogenannte Verkehrsflächen nehmen derzeit 240 000 Hektar in Anspruch. Eigenheime mit viel freier Fläche drumherum sind für viele Häuslebauer erstrebenswert, weil "die Aussicht besser ist".