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Sachsen setzt auf Wachpolizisten

481 Wachpolizisten gibt es derzeit in Sachsen.
481 Wachpolizisten gibt es derzeit in Sachsen. FOTO: dpa
Dresden. Für Kritiker sind sie Hilfssheriffs, der Freistaat aber hofft auf Entlastung seiner Beamten. Die Zahl der Bewerber sinkt. Simona Block

In Sachsen gibt es derzeit 481 Wachpolizisten. Nach Angaben des Innenministeriums sind 80 Prozent von ihnen in Dresden, Leipzig und Chemnitz im Einsatz und der Rest bei den Polizeidirektionen Görlitz und Zwickau tätig. Nach dreimonatiger Ausbildung entlasten sie Beamte bei Personenüberwachung und Objektschutz. "Sie leisten engagierte Arbeit und werden in den Dienststellen gut aufgenommen", lobt Innenminister Markus Ulbig (CDU).

Das 2016 begonnene Projekt ist im Verzug, bis Mitte 2017 sollten schon alle 550 geplanten Stellen besetzt sein. Seit August sind aber 83 weitere Hilfskräfte in der Ausbildung. Bis August machten zwar insgesamt 590 Frauen und Männer einen Abschluss, aber nicht alle traten dann den Dienst auch an. "Es gibt immer einen gewissen Schwund", erklärt ein Sprecher der für die Ausbildung zuständigen Bereitschaftspolizei Sachsen. So erfüllten sich Vorstellungen nicht oder es gebe doch einen besser passenden Job.

Wachpolizisten helfen beim Schutz von Unterkünften für Flüchtlinge oder Asylbewerber, jüdischer und muslimischer Einrichtungen, sichern Festnahmen oder Gefangenentransporte mit ab oder bewachen Wohnorte gefährdeter Personen. Sie sind für zwei Jahre beschäftigt - nach Ministeriumsangaben aus arbeitsrechtlichen Gründen. Nach mindestens einem Dienstjahr haben sie aber die Chance auf den Einstieg in die reguläre Polizei.

"Wachpolizisten bekommen eine konkrete Vorstellung vom Polizeiberuf", sagt der Innenminister. Sie ebne den Einstieg "und kann die Polizeibeamten von morgen hervorbringen". Die ersten Aktiven wechseln am 1. November in die um sechs auf 24 Monate verkürzte Ausbildung für den Vollzugsdienst bei der sächsischen Polizei. "Das Interesse daran ist sehr groß", sagt ein Ministeriumssprecher. Mit wenigen Ausnahmen wollten alle diese Möglichkeit nutzen.

Eine Wachpolizei gab es bereits nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001, das entsprechende Gesetz trat 2006 aber wieder außer Kraft. Wegen der Belastungen der Beamten durch Demonstrationen, Auseinandersetzungen bei Fußballspielen und Einsätze rund um Asylunterkünfte hatte der Landtag Ende 2015 deren Wiedereinführung beschlossen. Die Opposition kritisiert es als "Billiglösung".

Nach der ersten Euphorie sanken die Bewerberzahlen - von knapp 1700 für den ersten Kurs mit 50 Plätzen im Februar 2016 auf 985 ein Jahr später. Für den letzten der drei jährlichen Kurse waren es 688 - sieben Interessenten pro Platz. "Der Markt an verfügbarem Personal wird von vielen Seiten beackert", erklärt der Ministeriumssprecher. Die Konkurrenz sei stark, auch die Wachpolizei müsse um gute Bewerber kämpfen. Pro Kurs werden künftig 100 neue Hilfskräfte ausgebildet. "Der größte Teil nutzt das als Sprungbrett."