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| 18:32 Uhr

Tag der Sachsen in Torgau
„Die Sachsen können auch anders“

Im Schloss Hartenfels tritt bei einer Veranstaltung ein Gaukler mit Puppen auf.
Im Schloss Hartenfels tritt bei einer Veranstaltung ein Gaukler mit Puppen auf. FOTO: dpa / Sebastian Willnow
Torgau. Sorge und Chance – so ist die Gefühlslage beim Tag der Sachsen in Torgau. Chemnitz soll nicht wie ein Damoklesschwert über dem größten Volksfest Sachsens schweben. Hier will sich der Freistaat offen und zugewandt zeigen. Von André Jahnke

„Wir sind die Meisten“, ruft Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler den Menschen in Torgau zum Start des „Tags der Sachsen“ zu. Er nimmt Bezug auf das Motto „#wirsindmehr“ vom Gratiskonzert am Montag in Chemnitz, als 65 000 gegen rechte Gewalt und Ausländerfeindlichkeit demonstrierten. „Der Tag der Sachsen wird zeigen, dass der Zusammenhalt und das Miteinander in Sachsen groß ist“, betont Rößler. Nach Schätzungen der Behörden der Elbe-Stadt sind rund 285 000 Besucher zum größten Volksfest in Sachsen gekommen. „Alles friedlich, alles bestens“, bilanzierte eine Sprecherin am Sonntagabend.

Kann und darf Sachsen überhaupt nach den erschreckenden Bildern von Chemnitz feiern? Ja, es könne und sollte unbedingt auch, betont Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). „Eine Minderheit in Chemnitz versucht, das Land mit Worten und Hass zu prägen. Dem werden wir uns entgegenstellen“, sagt der CDU-Politiker am Samstag in Torgau. „Der Tag der Sachsen wird zeigen, wie die Menschen hierzulande sind: lebensfroh, offen und zukunftsgewandt.“ Kretschmer hat sich den kompletten Samstag Zeit genommen, um die vielen Vereine auf dem „Tag der Sachsen“ zu besuchen.

Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht mit einer Kaffeeverkäuferin.
Ministerpräsident Michael Kretschmer spricht mit einer Kaffeeverkäuferin. FOTO: dpa / Sebastian Willnow

In den Hinterköpfen der Anwohner und Geschäftsleute in Torgau spielen die Ereignisse in Chemnitz allerdings eine Rolle. „Es war unter den Menschen hier in den letzten Tagen fast Dauerthema. Es gibt natürlich Ängste, dass es hier auch zu Spontandemonstrationen und auch Gewaltakten kommt“, sagt Ingo Henjes. Der Antiquitätenhändler in der historischen Innenstadt von Torgau hofft, dass Polizei und Sicherheitskräfte alles im Griff haben.

Besucher des Volksfestes sehen die Polizisten kaum. Nur die Zufahrt mit dem Auto zur Innenstadt wird streng kontrolliert. Es gibt zwei Sperrkreise, einen äußeren für die Stadt Torgau und einen inneren für die Innenstadt. Lieferanten, Anwohner und Ehrengäste haben Zufahrt, sonst niemand. Auch mit dem Fahrrad kommt niemand direkt in die historische Altstadt. Dort patrouillieren private Sicherheitskräfte. Für den Ernstfall werde die Bereitschaftspolizei zur Stelle sein, betonte Innenminister Roland Wöller (CDU) vor Beginn des Festes. Auch die Bundespolizei könne unterstützen. Am Ende gibt es keine größeren Vorkommnisse, wie ein Sprecher der Polizei am Sonntag sagt.

„Wir lassen uns unser Fest nicht kaputtmachen, egal von wem“, sagt Jens Scholz von der Schützengilde Wasserschloss Klaffenbach. Der Verein präsentiert seit 23 Jahren auf dem „Tag der Sachsen“ das Lagerleben der Soldaten vergangener Jahrhunderte. Natürlich dürfe man feiern in Sachsen, betont der Vereinsvorsitzende, Frank Schuster, erbost. „Wir sind fröhliche Menschen und müssen zusammenhalten.“

Viele Menschen sehen in dem dreitägigen Fest in Torgau auch eine Chance, das negative Bild Sachsens der vergangenen Zeit zu verändern. „Es ist schlimm, was in Chemnitz passiert ist, aber das Fest hier soll etwas Positives sein, die Menschen sollen feiern“, sagt die Apothekerin Jacqueline Kretzschmar. Der „Tag der Sachsen“ könne die schönen Seiten des Freistaates zeigen.

„Unterschwellig wird Chemnitz auch hier in den Köpfen sein“, sagt Torgaus Oberbürgermeisterin Romina Barth (CDU). Die dortigen Ereignisse seien ein gesellschaftliches Problem. „Daher ist das jetzige Fest so enorm wichtig. Wir werden zeigen, dass die Sachsen auch anders können.“ Im nächsten Jahr wird Riesa den „Tag der Sachsen“ ausrichten, 2020 wird es Aue sein.