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Sachsen castet sich Industriehauptstadt

Besuchermagnet in Zwickau: das August-Horch-Museum.
Besuchermagnet in Zwickau: das August-Horch-Museum. FOTO: dpa
Dresden. Nur noch drei Jahre bis zur vierten Sächsischen Landesausstellung. Doch noch immer steht nicht fest, welche Stadt dem Thema Industriekultur am besten gerecht wird. Bis Ende April will Schwarz-Rot entscheiden, ob es Aue, Oelsnitz oder Oberlungwitz machen soll. Christine Keilholz

Pech für Glauchau, Johanngeorgenstadt und Plauen. Ein Jahr lang konnten die drei Städte darauf hoffen, die nächste Landesausstellung ausrichten zu dürfen. Jetzt sind sie aus dem Rennen. Die Expertengruppe im Kunstministerium, die nach einer geeigneten Location sucht, hat die Reihe der Bewerberstädte ausgedünnt.

In Frage kommen jetzt nur noch Aue, Oelsnitz und Oberlungwitz. Welche dieser Städte 2018 die vierte Sächsische Landesausstellung zum Thema Industriekultur austragen darf, soll Ende April feststehen. Das letzte Wort bei der Entscheidung hat das schwarz-rote Kabinett.

Man müsse nun klären, ob sich die vorgeschlagenen Räumlichkeiten baulich und fachlich eignen, teilte das Kunstministerium gestern mit. Auch geht es um Eigentumsfragen und nicht zuletzt darum, was nach der Landesausstellung werden soll aus den teuer sanierten Fabrikruinen. All das muss bald klar sein, denn die Zeit wird knapp.

Dabei war schon mal alles entschieden worden. Im Januar 2014 gab die damalige Kunstministerin Sabine von Schorlemer (parteilos) den Zuschlag an Zwickau. Sachsens viertgrößte Stadt überzeugte die Jury damals mit einer denkmalgeschützten Autofabrik. Der 100 Jahre alte Horch-Hochbau steht für den Aufstieg der Zwickauer Horch-Werke zum Automobilgiganten Audi und wäre zudem mit 10 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche groß genug gewesen. Das Ganze war dann aber zu groß, sodass die Zwickauer die Reißleine zogen. Schorlemers Nachfolgerin, Eva-Maria Stange (SPD), drehte im Dezember das ganze Verfahren zurück auf Anfang.

Im neuen Konzept - soweit es bislang steht - spielt die Horch-Autofabrik nur noch eine Nebenrolle. Zwickau darf dort eine der sechs Begleitausstellungen ausrichten. Wie auch die Tuchfabrik Pfau in Crimmitschau, die Himmelfahrt Fundgrube in Freiberg und das Oelsnitzer Bergbaumuseum. Eine größere Rolle als ursprünglich gedacht, darf Chemnitz spielen. Die Industriemetropole Sachsens, die selbst ernannte "Stadt der Moderne" war reichlich beleidigt nach der Entscheidung für Zwickau. Nun ist Chemnitz mit zwei kleineren Begleitausstellungen dabei - eine im Industriemuseum und eine im Eisenbahnmuseum Chemnitz Hilbersdorf.

Gefunden werden muss noch die Leitausstellung, die den Bogen schlagen soll zwischen den vielen Zentren des sächsischen Wirtschaftswunders im 19. Jahrhundert und dabei einem diffizilen Regionalproporz Genüge tut. Die die vielen Branchen - von der Tuchweberei bis zum Schwermetall - einbezieht. Und obendrein schnell umgesetzt werden kann. Damit das nicht zu teuer wird, stellt das Innenministerium die entsprechende Förderkulisse. Für den Umbau der Stätten sind acht Millionen Euro eingeplant.

Zuletzt gastierte die Landesausstellung 2011 im Kaisertrutz von Görlitz. Die Schau zu 800 Jahren Via Regia kostete 6,7 Millionen Euro und hatte 170 000 Gäste.