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Polizei-Statistik
Rückgang der Kriminalität in der Oberlausitz

In Görlitz hat es im vorigen Jahr 177 Autodiebstähle, darunter 53 versuchte Diebstähle, gegeben. In Hoyerswerda waren es 78 (21), Weißwasser 71 (32) und Bad Muskau 33 (14).
In Görlitz hat es im vorigen Jahr 177 Autodiebstähle, darunter 53 versuchte Diebstähle, gegeben. In Hoyerswerda waren es 78 (21), Weißwasser 71 (32) und Bad Muskau 33 (14). FOTO: Fotolia
Görlitz. Die Menschen in den Landkreisen Bautzen und Görlitz sind 2017 seltener Opfer von Straftaten geworden als noch im Jahr zuvor. Das weist die heute veröffentlichte polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) des Freistaates Sachsen aus. So wurden der Polizei aus den 111 Städten und Gemeinden der Oberlausitz insgesamt 35 480 Straftaten bekannt. Von Frank Hilbert

Das sei der tiefste Stand der Kriminalitätsbelastung seit zehn Jahren. In diesem Zeitraum sei ein Rückgang um rund 13 Prozent zu verzeichnen. Im Vergleich zu 2016 seien zwei Prozent weniger Straftaten zu verzeichnen gewesen. Etwa drei von fünf Straftaten konnte die Polizei aufklären. Die Quote von 59,7 Prozent liegt in Ostsachsen leicht über dem Durchschnitt des Freistaates (59,2 Prozent). Es habe mit rund sieben Prozent einen deutlichen Rückgang der Eigentumskriminalität gegeben (2016: 13.536 Fälle, 2017: 12.565 Fälle). Rückläufig seien ebenfalls Einbrüche und Diebstähle in den Städten und Gemeinden mit Grenzbezug, wobei es jedoch örtliche Schwerpunkte gebe.

Polizeipräsident Torsten Schultze: „Die belastbaren Fakten der polizeilichen Kriminalstatistik zeigen ein anderes Bild der Lage, als das, was ich in Gesprächen mit Bürgern unserer Region häufig zu hören bekomme. Deren Wahrnehmung scheint zu sein, dass in den zurückliegenden Jahren alles nur ,schlimmer‘ geworden sei, insbesondere seit Öffnung der Grenzen zu unseren polnischen und tschechischen Nachbarn.

Doch das Gegenteil ist der Fall: Als die Grenzen noch geschlossen waren, wurde in unserer Region weit mehr gestohlen und häufiger eingebrochen als heutzutage – nur scheinen diese Fakten aus den Erinnerungen verschwunden zu sein.“

Die Polizei hat in den Landkreisen Bautzen und Görlitz im Jahr 2017 rund 60 Prozent der bekannt gewordenen Straftaten aufgeklärt. Das waren 21 180 Fälle (2016: 22 260 Fälle, 2015: 22 557 Fälle), zu denen insgesamt 14 351 Tatverdächtige ermittelt wurden. Rund 87 Prozent davon waren älter als 18 Jahre, weitere etwa acht Prozent im jugendlichen Alter und immerhin knapp fünf Prozent sogar Kinder. Nur in einem von vier Fällen handelte es sich bei den Tatverdächtigen um eine Frau.

4003 ermittelte Tatverdächtige waren nicht-deutscher Nationalität (2016: 4948, 2015: 3873). Hierbei handelte es sich zumeist um polnische oder tschechische Staatsbürger.

813 und damit 5,66 Prozent der bekannt gewordenen Tatverdächtigen waren Zugewanderte (Freistaat Sachsen: 6,11 Prozent), die den Status eines Asylbewerbers, Schutz- oder Asylberechtigten, einer geduldeten Person oder eines Kontingentflüchtlings innehatten (2016: 875, 2015: 650, 2014: 323). Sie waren für insgesamt 1404 Straftaten verantwortlich (2016: 1357, 2015: 1225).

Unter den ermittelten zugewanderten Tatverdächtigen befanden sich 65 Mehrfach- und Intensivtäter. Das sind Täter, die im vorigen Jahr mit fünf oder mehr Straftaten polizeilich in Erscheinung getreten sind.

Die meisten Straftaten wurden der Polizei im Jahr 2017 aus folgenden Städten bekannt: Görlitz – 8255 Fälle (2016: 8528), Bautzen – 4353 (2016: 3794), Zittau – 2789 (2016: 2971), Weißwasser – 1701 (2016: 1672) und Kamenz – 1430 (2016: 1475).

Mit insgesamt 12 565 Fällen und damit in fast jedem dritten Fall aller Straftaten handelte es sich im Jahr 2017 um Eigentumsdelikte, also um Einbrüche oder Diebstähle. Auch hier war die Kriminalitätsbelastung im Vergleich zum Vorjahr um beinah 1000 Fälle spürbar rückläufig. Jede dritte Straftat konnte in diesem Bereich aufgeklärt werden.

Dem allgemeinen Rückgang der Kriminalität folgend, ist auch entlang der rund 124 Kilometer langen polnischen Grenze im Landkreis Görlitz die Eigentumskriminalität im dritten Jahr in Folge gesunken. So wurden der Polizei 2017 insgesamt 236 Einbrüche oder Diebstähle weniger als noch im Jahr zuvor bekannt (2017: 4391 Fälle, 2016: 4627, 2015: 6182). Die Anzahl der Eigentumsdelikte liegt damit in diesen Städten und Gemeinden sogar auf dem tiefsten Stand seit 2008, dem ersten Jahr nach dem Wegfall der ständigen Grenzkontrollen im Dezember 2007.

Mit Blick auf die zurückliegenden Jahre ist die Eigentumskriminalität auch in den Städten und Gemeinden entlang der rund 87 Kilometer langen tschechischen Grenze zwischen Zittau und Steinigtwolmsdorf deutlich zurückgegangen. Seit dem Jahr 2012 ist die Belastung um rund 27 Prozent auf insgesamt 1131 Fälle gesunken und liegt damit ebenso deutlich unter dem Niveau des Jahres 2008. Gegenüber dem Jahr 2016 ist eine geringe Zunahme von 69 Eigentumsdelikten zu verzeichnen (2017: 1131 Fälle, 2016: 1062, 2015: 1297). Dieser Anstieg ist insbesondere auf eine Vielzahl von Garageneinbrüchen im Oberland zurückzuführen.

Nach einem Rückgang im Jahr 2016 wurden von Januar bis Dezember 2017 in den Landkreisen Bautzen und Görlitz wieder mehr Kraftfahrzeuge in der Oberlausitz gestohlen. Diese Entwicklung steht dem Landestrend entgegen.

Die Anzahl der tatsächlich entwendeten Fahrzeuge betrug insgesamt 531 (2016: 409 Fälle, 2015: 509, 2014: 497). Dazu waren 275 Fälle zu verzeichnen, bei denen ein Diebstahl im Stadium des Versuches scheiterte (2016: 189 Fälle, 2015: 271, 2014: 281).

Dank einer engen Zusammenarbeit mit der polnischen und tschechischen Polizei sei es 2017 dennoch gelungen, etwa jeden sechsten Fahrzeugdiebstahl mit Tatort in der Oberlausitz aufzuklären (Aufklärungsquote 2017: 16,5 Prozent, 2016: 16,1, 2015: 25,9).

Ergänzend dazu hat die Gemeinsame Fahndungsgruppe (GFG) Bautzen der Kriminalpolizeiinspektion Görlitz und Bundespolizeiinspektion Ebersbach im vergangenen Jahr 50 als gestohlen gemeldete Kraftwagen sichergestellt. Es handelte sich dabei fast ausschließlich um Pkw oder Kleintransporter, die in anderen Regionen Sachsens, anderen Bundesländern oder dem europäischen Ausland entwendet wurden.

Görlitz führt mit 177 Autodiebstählen, davon 53 versuchten Diebstählen, die Rangliste in der Oberlausitz an. Gefolgt von Zittau mit 109 (davon 45 Versuche), Hoyerswerda – 78 (21), Weißwasser – 71 (32), Bautzen – 61 (18) sowie Bad Muskau – 33 (14). Betroffen waren laut Polizei zumeist Pkw der Marken Volkswagen, Audi, Skoda, BMW und Mazda. Hierbei nutzen die Diebe auch immer häufiger Sicherheitslücken, die schlüssellos betriebene Fahrzeuge mit sich bringen.

Darüber hinaus verweist die Polizei-Statististik auf 12 228 Straftaten wie beispielsweise Brandstiftung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung, Sachbeschädigung, ausländerrechtliche Verstöße oder Verstöße gegen das Waffengesetz.

Es gab 5273 Vermögens- und Fälschungsdelikte wie Betrug, Unterschlagung oder Urkundenfälschung. Bei 5001 Fällen ging es um Körperverletzungen oder Raub. 1369 mal gab es Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz (2016: 1106 Fälle). Die Polizei betont, dass der Anstieg der Fallzahlen nicht unmittelbar auf einen Anstieg der Kriminalität in diesem Bereich hinweise, sondern lediglich auf verstärkte Kontrollen der Polizei.

Ferner verweist die Statistik auf 394 Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (2016: 328 Fälle) und 19 mal ging es um Totschlag oder Mord (2016: 17 Fälle).

Im Jahr 2017 registrierte die Polizei in den Landkreisen Bautzen und Görlitz insgesamt 505 Fälle (2016: 462 Fälle), die zweifelsfrei politische Motive zur Grundlage hatten. 338 dieser Fälle (2016: 314) waren dem rechten Spektrum zuzuordnen. Zumeist handelte es sich Propagandadelikte wie das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole sowie um Straftaten gegen Personen des politisch linken Spektrums oder Polizisten. 81 Delikte wurden der linke Szene zugeordnet (2016: 94). Diese richteten sich beinah ausschließlich gegen Personen des rechten Spektrums, in sieben Fällen auch gegen Polizisten.