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Richter befragt Zschäpe zum Tod der kleinen Peggy

München. Hängen die NSU-Terrorserie und der Fall Peggy zusammen? Eine DNA-Spur stellt spektakulär eine Verbindung zwischen den beiden Komplexen her. Nun soll Beate Zschäpe im NSU-Prozess Auskunft geben. Christoph Trost / dpa/bl

Nach dem spektakulären Fund von DNA-Spuren des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt am Fundort der getöteten Schülerin Peggy geht das Münchner Oberlandesgericht einem möglichen Zusammenhang der beiden Fälle auf den Grund. Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl fragte die Hauptangeklagte Beate Zschäpe am Mittwoch im NSU-Prozess, ob sie über Informationen über Peggy verfüge, die sie nicht aus den Medien habe. Zschäpe antwortete aber nicht sofort. Ihr Anwalt Hermann Borchert kündigte eine schriftliche Beantwortung an.

Vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass am Fundort der Skelettteile des 2001 verschollenen Mädchens aus Oberfranken Genmaterial von Böhnhardt entdeckt worden war - an einem kleinen Stoffstück. Seither wird spekuliert, ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den beiden Komplexen - NSU und Peggy - geben könnte. Auch eine Verunreinigung der Probe ist nicht hundertprozentig ausgeschlossen.

Zudem will das Gericht Berichten über angeblich kinderpornografische Bilder auf einem Computer auf den Grund gehen, der im November 2011 im Brandschutt der letzten Wohnung des NSU-Trios in Zwickau gefunden wurde. Götzl will von Zschäpe nun wissen, wer diesen Computer nutzte, ob sich darauf Bilder von Kindern und Jugendlichen befanden und welche Informationen sie gegebenenfalls zu diesen Bildern habe.

Nebenklage-Anwalt Mehmet Daimagüler beantragte zudem, die kompletten Peggy-Akten beizuziehen und Akteneinsicht zu gewähren. Zur Begründung sagte er, auf einem Computer der mutmaßlichen NSU-Terroristen habe sich eine große Anzahl pornografischer Bilder befunden, darunter auch Dateien, "die zumindest den Verdacht nahe legen, einen sexuellen Missbrauch von Kindern darzustellen". Zudem nannte er den früheren Thüringer Neonazi-Drahtzieher Tino Brandt, der wegen Kindesmissbrauchs in 66 Fällen verurteilt worden war. Und er erwähnte die von einem Zeugen erhobenen Vorwürfe, Böhnhardt habe einst einen neun Jahre alten Jungen in Jena ermordet. Eine Sonderkommission in Thüringen überprüft den Fall inzwischen erneut.

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Beate Zschäpe hat bestritten, mit ihren Komplizen im Jahr 2000 in Berlin ein mögliches Anschlagsziel des NSU ausgespäht zu haben. In einer Erklärung, die ihr Anwalt Mathias Grasel gestern im Prozess verlas, räumte Zschäpe zwar ein, sie habe sich damals irgendwann im Frühjahr oder Sommer zusammen mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in Berlin aufgehalten. Es habe aber keine besonderen Gründe für die Reise gegeben. Sie habe aber nichts ausgespäht, und sie habe auch zu keinem Zeitpunkt eine Synagoge aufgesucht. "Ich kenne keine Synagoge in Berlin."dpa/bl