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| 18:57 Uhr

Tierschutz
„Rettung der Wisente ist große Leistung“

Kleine Herde: In Criewen gibt es auch ein Wisent-Gehege, in dem gerade erst Nachwuchs geboren wurde.
Kleine Herde: In Criewen gibt es auch ein Wisent-Gehege, in dem gerade erst Nachwuchs geboren wurde. FOTO: MOZ / Oliver Voigt
Criewen. In der Uckermark beraten ab heute Experten aus ganz Europa über die Arterhaltung. Abschuss in Lebus vor einem Jahr trug zur Sensibilisierung bei.

Vor einem Jahr war am Rande von Lebus (Märkisch-Oderland) in einer fast panikartigen Reaktion ein Wisent-Bulle abgeschossen worden, der aus Polen durch die Oder geschwommen war. Es war das erste Exemplar dieser uralten Rinderart, das nach mehr als 100 Jahren über die freie Wildbahn nach Deutschland gekommen war.

Erst nach dem Vorfall wurde bekannt, dass das offenbar aus einem großen Gehege entwichene Tier zuvor wochenlang durch den polnischen Nationalpark Warthemündung gezogen war. Und dass trotz ihres Respekt einflössenden Äußeren von den Wisenten keine Gefahr für Menschen ausgeht, wenn man den entsprechenden Abstand wahrt.

„Der Vorfall hat verdeutlicht, welche geringe Akzeptanz es gegenüber Dingen gibt, die neu und ungewohnt sind. Aber auch, welche Kommunikationsprobleme über die Grenze bestehen.“ Das sagt die Geschäftsführerin des Deutsch-Polnischen Umweltbildungszentrums „Schloss Criewen“ in der Uckermark, Uta Böhme. Letztlich habe der Vorgang aber auch einen Teil dazu beigetragen, dass sich heute und morgen in Criewen rund 80 Experten aus mehreren europäischen Ländern zu dem wohl größten Wisent-Kongress treffen, den es seit Langem in Deutschland gab.

Uta Böhme erläutert die Bedeutung: „Vor 100 Jahren galten Wisente, die eine europäische Art des Bisons sind, auf unserem Kontinent nahezu als ausgerottet. Nach dem Auerochsen, der schon früher ausgestorben war, drohte auch der zweiten Ur-Rinderart das Ende.“ Den jahrzehntelangen Anstrengungen von Zoos, Wildparks und anderen Engagierten sei es zu danken, dass heute wieder rund 4000 Wisent-Exemplare in Europa leben. „Mittlerweile besteht damit auch ein ausreichender Genpool gesunder Tiere, der die Voraussetzung dafür ist, dass diese Art weiter bestehen kann.“ Diese Rettung sei eine ganz große Leistung.

Dazu trage vor allem auch ein in Polen geführtes internationales Zuchtbuch bei. In dem urwald-ähnlichen Bialoweza-Nationalpark, der sich beiderseits der ostpolnisch-weißrussischen Grenze erstreckt, leben heute die meisten Wisente in freier Wildbahn. Auch in Deutschland wurde vor einem Jahrzehnt im Rothaargebirge bei Siegen (Nordrhein-Westfalen) eine Herde ausgewildert, mehr als 100 Exemplare leben in Tierparks oder auch in größeren Gehegen. Es gibt vier regionale Wisentzentren, unter anderem eins im Dammerower Werder an der Landesgrenze von Mecklenburg-Vorpommern zu Brandenburg.

Die internationalen Experten tauschen sich bis Freitag über ihre Bestände, den Umgang mit Erkrankungen der Tiere und andere Fragen aus. Auch eine Exkursion zu der kleinen Wisentherde der Nationalpark-Stiftung Unteres Odertal ist geplant. Dort wurde erst vor wenigen Tagen ein Wisentmädchen geboren, das sich dank guter Pflege wohlauf fühlt.