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Raus in die blühenden Landschaften

Wieder wird's wärmer. Machen wir doch mal was Abgefahrenes, gehen wir wandern.

Dieses altmodische Hobby hat noch hartnäckige Anhänger, aber ach, die Jugend, die hat kein Interesse mehr. Wissen die denn noch, wie ein Schwein pfeift. Nein, die hängen nur vorm Computer. Früher, ja früher, war mehr Zucht dahinter. Stimmt, früher rief Mutter: "Raus mit Euch, ich will wischen!" Heute ist das Anstupsen zum Naturerlebnis zur staatlichen Aufgabe geworden, angegliedert ans Umweltministerium.

"Der Frühling klopft an die Tür", lässt Minister Thomas Schmidt (CDU) mitten im April wissen und hält uns gleich das Programmheft "Frühlingsspaziergänge 2015" unter die Nasen. Blühende Landschaften wurden uns vor 25 Jahren versprochen, jetzt kann der zuständige Ressortchef Vollzug melden: Es "locken frische Wiesen mit ihren duftenden Blumen, aber auch grüne Wälder", schreibt Schmidt im Wanderführervorwort. Schusters Rappen scharren mit den Hufen. Wow, denkt da der Hund und kommt sofort hinterm Ofen vor. Der besseren Organisation halber hat die Umwelt-Verwaltung das Land in fünf Wanderbezirke aufgeteilt. Damit es nicht bei frommen Worten bleibt, schnürt Minister himself Anfang Mai die Wanderschuhe und führt eine Wandervogel-Delegation durch die Gohrischheide. Die Strecke misst exakt 2,2 Kilometer. Da werden Schusters Rappen hinterher ganz schön fertig sein.