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Illegale Grabungen
Raubgräber machen sächsische Archäologen wütend

Hobbyarchäologen richten oft erhebliche Schäden an.
Hobbyarchäologen richten oft erhebliche Schäden an. FOTO: Jens Büttner / dpa
Dresden. Illegale Schatzsucher haben bei Coswig erhebliche Schäden an bronzezeitlichen Hügelgräbern verursacht. Die Schäden sind nicht rückgängig zu machen.

Mit Spitzhacke und Schaufel haben sich Unbekannte an bronzezeitlichen Hügelgräbern im Wald bei Coswig nahe Dresden zu schaffen gemacht.

„Solche Raubgrabungen kommen leider immer wieder vor“, sagt der Sprecher des Landesamtes für Archäologie, Christoph Heiermann, in Dresden. „Es gibt da so eine Szene.“ Wie viele solch illegaler Grabungen es gibt und ob diese häufiger werden, vermag er nicht zu sagen. „So etwas macht uns zornig.“ Mit ehrenamtlichen Hobby-Archäologen und Denkmalpflegern arbeite das Landesamt hingegen gern zusammen.

Die Schäden an den vier, etwa 3000 Jahre alten Gräbern bei Coswig waren erst unlängst entdeckt worden. Der genaue Tatzeitpunkt ist nicht bekannt. Die Zerstörung sei nicht wieder rückgängig zu machen, sagt Heiermann. Bis auf den Grund der Hügel sind die Raubgräber jedoch nicht vorgestoßen. „Sie hätten sich durch eine Schicht aus Schotter graben müssen. Das ist Schwerst-
arbeit.“

Die Chance, dass sie dann Wertvolles gefunden hätten, sei gering. „Da sind dann meist nur Feuerstellen. Über die vermutlich kultische Bedeutung dieser Hügel wissen wir noch relativ wenig.“ Die beschädigten Stellen sollen nun wieder verschüttet werden. Rund 250 solcher Grabhügel sind in dem Wald bei Coswig verstreut. Diese alle zu bewachen, sei nicht möglich, heißt es weiter.

Wer in Sachsen mit Metallsonde offiziell auf Schatzsuche gehen will, braucht dafür eine Genehmigung. Zuvor müssen die Interessenten jedoch einen der Lehrgänge absolvieren, die vom Landesamt kostenfrei angeboten werden. Dabei würden sie zum Denkmalschutz informiert und bekämen gesagt, was bei der Suche erlaubt sei, erläutert Heiermann.

Keinesfalls dürften sie in der Erde nach Schätzen graben. Es gebe viele Menschen, die sich in der Freizeit für ihre Heimat interessierten. „Um diese bemühen wir uns sehr.“ Aktuell besäßen 90 Sondengänger eine Genehmigung. Eine solche Erlaubnis sei auf zwölf Monate befristet und gilt nur für einen Landkreis. Weitere 130 ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger würden von den Denkmalschutzbehörden der Städte und Kreise berufen und betreut.

Was die Hobby-Archäologen finden, müssen sie abliefern. So haben sie in einem Kiestagebau im Muldentalkreis einen gut erhaltenen Faustkeil aus der Altsteinzeit gefunden.

„Eines der schönsten Beispiele für die Fertigkeiten der Neandertaler in Sachsen“, sagt Heiermann. Zudem stießen ehrenamtliche Sucher aus der Leipziger Gegend auf viele Metallgegenstände von frühmittelalterlichen Siedlungen.

Wer sich nicht an die Regeln hält, muss mit Strafe rechnen. „Da verstehen wir keinen Spaß“, sagt Heiermann. „Wenn Fundstätten zerstört werden, gehen viele Informationen für immer verloren.“ Seit 2006 sind nach seinen Angaben auf Veranlassung des Landesamtes etwa zehn Hausdurchsuchungen angeordnet worden – mit unterschiedlichen Ergebnissen. „In manchen Fällen wurde der Verdacht widerlegt, in anderen ein Strafverfahren eingeleitet.“

Den wohl bekanntesten Fund machte ein Hobby-Schatzsucher in Sachsen schon im Jahr 1996, als er mit einem Metalldetektor im Moritzburger Forst in der Nähe eines Jagdpavillons Reste des Wettiner-Schatzes aufspürte. Vor Kriegsende hatten Nachkommen der Sachsenkönige die Reichtümer der Familie – Porzellan und Tafelsilber – dort verscharrt.

Die Rote Armee entdeckte 1947 rund 40 Kisten und brachte die Schätze in die damalige Sowjetunion. Nur wenige Kisten blieben zurück.

Ein Großteil der damaligen Fundstücke ist mittlerweile versteigert worden und bei Kunsthändlern, Museen oder bei Privatsammlern gelandet. Der damalige Schatzsucher hatte jedoch für seinen Sondengang keine Genehmigung. Er wurde angezeigt.