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Privatinvestoren kaufen Schloss Frauenstein

Die jahrelange Hängepartie um Schloss Frauenstein ist beendet. Kürzlich verkaufte die Deutsche Bahn AG die attraktive, denkmalgeschützte Immobilie an private Investoren. Käufer ist nach Auskunft von Museumsleiterin Gisela Müller ein in Dresden ansässiges Professoren-Ehepaar, das im medizinisch-pharmazeutischen Bereich tätig ist. Über den Kaufpreis und künftige Nutzung wurde bisher nichts bekannt. Es gebe allerdings eine Bestandgarantie für die bisherigen Nutzer, darunter das renommierte Gottried-Silber mann -Museum, betont die Museumsleiterin. Von Ernst W. Raymund

Zum Objekt gehören Gisela Müller zufolge neben dem eigentlichen Schloss das Torhaus und das derzeit ungenutzte ehemalige Gefängnis. Unberührt vom Verkauf ist dagegen die benachbarte, begehbare Burgruine, sie bleibt in Landesbesitz. Letzter Eigentümer des Schlosskomplexes vor der Wende war die Deutsche Reichsbahn, die das Anwesen als Kinder- und Jugendferienlager nutzte. Anfang der 90er Jahre übernahm die Bundesbahn und damit die heutige Deutsche Bahn AG das Schloss und suchte seitdem jahrelang erfolglos einen Käufer.
Das Erdgeschoss des eigentlichen Schlosses beherbergt seit 1957 das Gottfried-Silbermann-Museum. Der weltberühmte Orgel- und Klavierbauer wurde 1683 im nahen Kleinbobritzsch geboren. Das Obergeschoss wird derzeit als Schul- und Vereinsturnhalle genutzt, während sich im maroden Torhaus ein Jugendklub "eingenistet" hat. Gisela Müller ist jedenfalls froh, dass das Museum auch die kommenden 20 Jahre erhalten bleibt. Was danach kommt, stehe allerdings noch in den Sternen.

Gedenkstätte begründete Sammlung
Die Anfänge des Museum reichen rund 100 Jahre zurück. Angefangen hatte es mit einen kleinen Gedenkstätte im Torhaus. Seitdem wurde de Sammlung kontinuierlich ausgebaut und lockt mittlerweile rund 24 000 Orgelbaufreunde und Silbermann-Fans im Jahr aus aller Welt an. Gisela Müller: "Das Gästebuch des Museum weist Gäste nicht aus europäische Ländern auf. Der Ruhm Silbermanns ist auch nach Japan, Korea, Neuseeland und die USA gedrungen."
Kernstück des Museums ist eine vom Dresdner Orgelbauer Kristian Wegscheider gefertigte Kopie einer kleinen, in Bremen beheimateten Silbermann-Orgel, die regelmäßig zu Konzerten bespielt wird. Die beiden vom Meister für Frauenstein geschaffenen Orgeln wurden dagegen bei Stadtbränden komplett zerstört, bedauert die Museumsleiterin. Hinzu kommen zahlreiche Schaustücke, darunter ein spielfähiges Manual von Jehmlich in Dresden. Alle sechs sächsischen Orgelbaubetrieb werden vorgestellt. Noch nicht ganz fertig ist eine Orgelbauwerkstatt im Miniaturformat.

Dauerausstellungen kamen hinzu
1998 erhielt das Museum ein "zweites Standbein". Damals wurden Dauerausstellungen zur Burg-, Schloss- und Stadtgeschichte sowie eine weitere zur Post- und Verkehrsgeschichte eröffnet. Hier wird auch die Erinnerung an die 1898 eröffnete und 1971 aufgegebene Schmalspurbahn von Frauenstein nach Klingenberg-Colmnitz an der Hauptstrecke Dresden-Chemnitz-Nürnberg (Sachsenmagistrale) wach gehalten. Älter als das Renaissance-Schloss ist Burg Frauenstein, die erstmals 1218 urkundlich erwähnt wurde. In ihrem Schutz entstand die Stadt, die Jahrhunderte lang Sitz der hinterzgebirgischen Amtsleute war. Die befestigte und begehbare Ruine der Burg erwacht im Sommerhalbjahr zum Leben. Offizielle Saisoneröffnung ist am 1. Mai mit Blas- und Chormusik.