ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:30 Uhr

Dresden
Prächtiger als die Schatzkammer

06.06.2018, Sachsen, Dresden: Der Kirchenmaler Andre Voltere arbeitet in der Schlosskapelle im Residenzschloss an der Probe einer Wappenkartusche des Audienzgemachs. Am gleichen Tag wurde im Rahmen eines Baurundgangs über die Bauarbeiten in den Paraderäumen im Westflügel des Residenzschlosses und dem Paradeschlafgemach informiert. Foto: Sebastian Kahnert/dpa - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes ZB-Funkregio Ost +++ ZB-FUNKREGIO OST +++
06.06.2018, Sachsen, Dresden: Der Kirchenmaler Andre Voltere arbeitet in der Schlosskapelle im Residenzschloss an der Probe einer Wappenkartusche des Audienzgemachs. Am gleichen Tag wurde im Rahmen eines Baurundgangs über die Bauarbeiten in den Paraderäumen im Westflügel des Residenzschlosses und dem Paradeschlafgemach informiert. Foto: Sebastian Kahnert/dpa - Honorarfrei nur für Bezieher des Dienstes ZB-Funkregio Ost +++ ZB-FUNKREGIO OST +++ FOTO: ZB / Sebastian Kahnert
Dresden. Das Grüne Gewölbe gilt als prächtigster Teil im Dresdner Residenzschloss. Zwei Etagen darüber entstehen nun die barocken Paraderäume.

Seidensamt, Goldstoff, Meisterwerke: Mit Hochdruck werden die Paraderäume von Sachsens legendärem Barockfürsten August der Starke (1670-1733) im Dresdner Residenzschloss rekonstruiert.

Die fünf Gemächer sollen im September 2019 fertiggestellt sein, zum 300. Jubiläum der Hochzeit seines Sohnes Friedrich August mit der österreichischen Kaisertochter Maria Josepha, sagte Finanzminister Matthias Haß bei einem Rundgang mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (beide CDU) am Mittwoch. Auch das Paradegeschoss werde vom Reichtum des Landes und davon zeugen, „in welcher Liga Sachsen damals gespielt hat“, sagte Kretschmer. Die Kosten dafür liegen bei etwa 34,4 Millionen Euro.

Bei der Ausgestaltung von Eckparadesaal, Audienz- und Schlafgemach sowie zwei Vorzimmern können sich Restauratoren, Künstler und Handwerker auf historische Zeichnungen, Kupferstiche und Briefe des Kurfürsten an seinen Bauminister sowie Fotos von 1943 und Teile der Originalausstattung stützen.

Die Lücken in der durch Auslagerung vor der Zerstörung 1945 geretteten Ausstattung werden mit Hilfe teils wiederbelebter alter Herstellungstechniken ergänzt. „Es wird einen guten Einblick in die höfische Festkultur des 18. Jahrhunderts geben“, sagte Haß.

Auch die Wiederherstellung der fünf ausschließlich zur Repräsentation geschaffenen prächtigen Paradegemächer erfolge mit dem Anspruch an Qualität und Authentizität, sagte Kretschmer. Mit der Fürstenhochzeit 1719, für die sie eingerichtet wurden, „hat eine der bedeutendsten Veranstaltungen Europas hier stattgefunden.“ Während Künstler in der rohbaufertigen Schlosskapelle für Wand- und Deckengemälde von Louis de Silvestre proben, fertigt in der Textilwerkstatt eine französische Tapisserierin Goldstoff für das Paradebett an.

Dabei handele es sich um ein Metallgewebe aus 24 Karat vergoldetem Silber, erklärte Spezialistin Sabine Schneider. „August der Starke hatte das Prunkvollste, was es damals an Ausstattungstextilien gab, dekorieren lassen.“ Er habe das Hochkarätigste aus Paris, aber auch aus Manufakturen im eigenen Land geordert. Die Vorlage, die die originalgetreue Herstellung der Textilien erlaubt, stammt von einem erhalten gebliebenen, mit Stoff überzogenen Pfosten des Paradebetts.

In den Räumen im Obergeschoss des Westflügels wurden laut Schneider damals 1,5 Kilometer Seidensamt und 3,5 Kilometer Goldstoff verbraucht. „Je mehr Seide, umso kostbarer.“ Allein das Gewicht sei auch im 21. Jahrhundert eine Herausforderung. Die mit der Zeit schwarz gewordenen vergoldeten Silberfäden der Originalteile können nur gereinigt werden – mit Wattestäbchen und Alkohol. „Manchmal kommt auch ein Hauch Gold zum Vorschein.“

Die aus dem 16. Jahrhundert stammende und 1945 zerstörte Residenz sächsischer Kurfürsten und Könige wird seit 1985 wiederhergestellt und zum Museumszentrum für die Staatlichen Kunstsammlungen ausgebaut. Bisher sind Grünes Gewölbe, Kupferstich- und Münzkabinett sowie Teile der Rüstkammer eingerichtet worden. Die Kosten für den 2013 auch vom Bund geförderten Wiederaufbau liegen nach Ministeriumsangaben bei rund 382 Millionen Euro. Er soll 2022 abgeschlossen werden. Bisher flossen 331 Millionen Euro.

Im Dresdner Residenzschloss werden die barocken Paraderäume von August dem Starken wiederhergestellt. Tapeziererin Julia Modest (li.)  arbeitet im Residenzschloss an einer Schräge aus Stoff für den Betthimmel des Paradebetts. Der Kirchenmaler Andre Voltere arbeitet in der Schlosskapelle im Residenzschloss an der Probe einer Wappenkartusche des Audienzgemachs (re.).
Im Dresdner Residenzschloss werden die barocken Paraderäume von August dem Starken wiederhergestellt. Tapeziererin Julia Modest (li.) arbeitet im Residenzschloss an einer Schräge aus Stoff für den Betthimmel des Paradebetts. Der Kirchenmaler Andre Voltere arbeitet in der Schlosskapelle im Residenzschloss an der Probe einer Wappenkartusche des Audienzgemachs (re.). FOTO: ZB / Sebastian Kahnert