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| 21:12 Uhr

Weißenberg in der Oberlausitz
Polizei kontrolliert Besucher von Neonazi-Konzert

Weißenberg. Einschlägige Bands, Symbole und Plakate, die an die Nazi-Zeit erinnern: So begehen Rechtsextreme in der Oberlausitz ein Fest mit anschließendem Konzert. Die Polizei beobachtet, kontrolliert und sieht keinen Anlass zum Einschreiten.

Die Polizei ist in der Oberlausitz am Samstag und bis Sonntagfrüh wegen eines Festes mit anschließendem Konzert rechtsextremer Bands im Einsatz gewesen. Rund 60 Beamte hätten Teilnehmer zweier „rechtsmotivierter Veranstaltungen“ kontrolliert, bestätigte ein Polizeisprecher.

Zunächst ging es um ein „ostsächsisches Sport- und Familienfest“, das der Polizei nach eigenen Angaben durch Handzettel bekannt geworden war. Auf den Flyern ist schwarz-weiß-rot und mit Ährenkranz unterlegt ein Kugelstoßer abgebildet, der ein Hemd mit sächsischem Wappen trägt. Entlehnt ist das Motiv einem Plakat des Nationalsozialistischen Reichsbunds für Leibesübungen von 1939, allerdings ohne Hakenkreuze.

Im Osten Sachsens, 2017 zum Beispiel in Quitzdorf am See, organisierten Nazis bereits zweimal solche Feste. Viele der Besucher stammen aus der Region selbst. Dass der Verfassungsschutz des Landes Sachsen ebenso wie die Polizei die Vorbereitungen und die Bewerbungen dieser im Privaten durchgeführten Veranstaltungen beobachtet, geht aus mehreren Anfragen der Fraktion der Linken im Sächsischen Landtag hervor.

Bei der jüngsten Veranstaltung im Ortsteil Lauske der Stadt Weißenberg (Landkreis Bautzen) fanden sich am Samstag, 15. September, laut Polizei „mehrere Familien“ ein. Ob darunter einschlägig bekannte Neonazis und Rechtsextremisten waren, wollte die Polizei auf Anfrage nicht erläutern.

Am Samstagabend hätten sich dann rund 100 „Angehörige und Sympathisanten der rechten Szene“ in einer Gaststätte im Weißenberger Ortsteil Nostitz getroffen, heißt es in einer Polizeimitteilung. Sie hätten an einem ebenfalls privat organisierten Konzert teilgenommen. Demzufolge sah die Polizei keine Handhabe, um das Konzert zu unterbinden.

Auf einem im Internet verbreiteten Plakat für das Konzert sind mehrere Bands aufgelistet, die unter der Überschrift „Triumph des Willens“ – das ist der Titel eines Films von Leni Riefenstahl über den NSDAP-Parteitag 1934 – zum Programm gehören sollten: darunter die Band Überzeugungstäter aus Sachsen, die der Verfassungsschutz der „subkulturell geprägten rechtsextremistischen Szene“ zurechnet sowie zwei einschlägige weitere Bands und ein als rechtsextrem geltender Liedermacher. Das Bildmotiv des Plakats im Hintergrund zeigt offenbar Trommler der Hitlerjugend.

Die Polizei habe ebenfalls zahlreiche der zum Konzert anreisenden Personen und Fahrzeuge kontrolliert. Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten seien an beiden Orten nicht festzustellen gewesen, teilte die Polizei mit.

(oht)