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Pistolen mit Elfenbein und Korallen

Die wertvollen Neuzugänge der Türckischen Cammer.
Die wertvollen Neuzugänge der Türckischen Cammer. FOTO: dpa
Dresden. Unverhoffter Zuwachs: Nach fünf Jahren ist die letzte Vitrine der 2010 eröffneten Türckischen Cammer in Dresden komplett. Nachfahren der Bankiersfamilie Arnhold haben dem Museum ein seltenes Paar reich verzierter türkischer Schnappschusspistolen aus dem 17. Jahrhundert geschenkt. dpa/uf

"Osmanische Pistolen aus der Zeit sind extrem rar", sagte Oberkonservator Holger Schuckelt. Weiß behandschuht montierte er die um 1680 geschaffenen, kostbaren Waffen mit aus Nussholz geschnitzten, mit Elfenbein und Korallenperlen prachtvoll ausgestatteten Schäften neben einem Gewehrlauf desselben Meisters in der Wandvitrine.

Schuckelt hatte sie 2008 auf der Kunst- und Antiquitätenmesse Tefaf in Maastricht entdeckt. Ein Kauf scheiterte jedoch an der nötigen sechsstelligen Summe, die Pistolen kamen in Londoner Privatbesitz. "Ich hatte mich damit abgefunden, sie nie wiederzusehen."

Bei der Planung der Türckischen Cammer ließ Schuckelt trotzdem Platz für sie, "ich kann nicht mehr sagen, warum". Ende 2015 dann erzählte er einer jungen US-Amerikanerin aus der Familie Arnhold diese Geschichte bei einer Führung. Kurz darauf teilte sie mit, dass sie den Besitzer ausfindig gemacht hat und er die Waffen verkaufen würde. "Ich will sie Euch schenken", schrieb die Arnhold-Urenkelin und Sammlerin historischer Waffen. Nachkommen von Hans Arnhold und die Anna-Maria & Stephen Kellen Foundation finanzierten die Erwerbung für das Museum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Laut Schuckelt sind solche Pistolenpaare sehr selten, da die Reiter zu der Zeit aber noch eher mit Pfeil und Bogen ausgerüstet waren. "Weltweit gibt es vielleicht eine Handvoll."