| 07:20 Uhr

Pflege
Pflegefachkräfte in Sachsen händeringend gesucht

Dresden. Ältere Menschen und Kranke sind oft auf die professionelle Hilfe von Pflegern angewiesen. Doch es werden mehr von ihnen mehr gebraucht. Doch das Einkommen ist nicht gerade üppig.

Die Pflegekräfte gehen auf die Barrikade. In einem offenen Brief an die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) haben sich die Mitarbeiter eines Pflegdienstes über die immer höhere Arbeitsbelastung beschwert. Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, fällt es den Pflegediensten zunehmend schwer, freie Stellen wieder zu besetzten.

„In ausgewählten Berufen spüren wir, dass es kaum noch Fachkräfte gibt. Dazu gehört der Altenpfleger“, sagt Klaus-Peter Hansen, Vorsitzender der Geschäftsführung der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit. Demnach hat sich seit 2008 die Zahl der arbeitslosen Altenpflegefachkräfte mehr als halbiert. Im Juli waren den Angaben zufolge in Sachsen in der Krankenpflege 453 und in der Altenpflege 926 offene Stellen gemeldet. Dem standen 171 und 119 arbeitslos gemeldete Krankenpfleger und Altenpfleger gegenüber.

Fast 14 Prozent der Beschäftigten in der Altenpflege sind laut Agentur aktuell älter als 55. In den nächsten zehn Jahren gehe jeder siebte von ihnen in den Ruhestand. Dadurch werde der Bedarf weiter steigen, heißt es.

In Sachsens Pflegeheimen haben Ende 2015 laut Statistischem Landesamt unter anderen fast 8600 ausgebildete Altenpfleger gearbeitet. Hinzu kamen rund 3600 und Krankenpfleger. Im ambulanten Bereich kamen noch einmal rund 7400 Alten- und etwa 4700 Krankenpfleger hinzu. In den Krankenhäuser arbeiteten rund 17 000 Krankenpfleger. Neue Zahlen werden erst Ende dieses Jahres erhoben.

Einer Statistik des Gesundheitsministeriums zufolge absolvierten im Schuljahr 2016/17 insgesamt 1500 Auszubildende einschließlich Umschülern das letzte Jahr ihrer Altenpflegeausbildung, 1000 Azubis waren es bei der Krankenpflege. Es könne aber nicht gesagt werden, ob diese im Sachsen bleiben werden, heißt es.

Denn der Unterschied beim Verdienst ist in Ost und West nicht unerheblich. Laut Landesarbeitsagentur lag die mittlere Bezahlung der vollzeitbeschäftigten Altenpfleger in Sachsen im vergangenen Jahr bei 2050 Euro - 688 Euro weniger als das mittlere Einkommen in diesem Beruf in Westdeutschland.

Sachsen habe mit Pflegekassen, Leistungserbringern und dem kommunalen Sozialverband das Positionspapier „Pro Pflege Sachsen“ unterzeichnet, heißt es dazu im Gesundheitsministerium. Darin gehe es auch um die Zahlung von Tariflohn und die Verbesserung der Arbeitssituation durch mehr Vollzeitbeschäftigung.

„Die Situation ist im Land sehr verschieden“, sagt die Sprecherin des Diakonisches Werk der evangelischen Kirche, Sigrid Winkler. Während in Leipzig freie Stellen in der Regel innerhalb eines Monats wieder besetzt werden könnte, sei es in Dresden schwierig, Engpässe zu schließen – und zwar in allen Bereichen: Pflegefach- und Hilfskräfte, Betreuungskräfte, Hauswirtschaftshelfer, Küchenpersonal.

Neue Anfragen auf Pflege könnten dort deshalb teilweise gar nicht mehr angenommen werden. Auch in Freiberg und der Region sei die Fachkraftsituation sehr angespannt. Auf Anzeigen meldeten sich nicht mehr als ein bis zwei Bewerber. In der Oberlausitz sei die Lage dagegen besser als angenommen. Auch im Erzgebirge gebe es noch ausreichend Bewerber. Dennoch seien die Zahlen rückläufig.

„Im Schnitt dauert es 167 Tage, ehe eine vakante Stelle besetzt werden kann“, erklärt Olaf Schwabe, Landesbeauftragte des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). Das sei verglichen mit anderen Berufen im Durchschnitt 67 Prozent länger.

Wegen der älter werdenden Bevölkerung sei absehbar, dass die Zahl der Pflegefachkräften dem steigenden Bedarf künftig nicht gerecht werden kann, sagt Schwabe. Neben verstärkter Ausbildung und verlängertem Verbleib im Beruf müsse es deshalb Zuwanderung ausländischer Fachkräften aus EU und Nicht-EU-Staaten geben.

Bei ausländische Pflegefachkräfte wird zuvor geprüft, ob die Ausbildung deutschen Maßstäben genügt. Dem Gesundheitsministerium zufolge kamen in Sachsen die meisten Anträge auf Berufsanerkennung von Fachkräften aus Rumänien (2015: 180, 2016: 91) gefolgt von Polen (2015: 42, 2016: 60) und Tschechien (2015: 11, 2016: 36). Weitere Herkunftsländer sind Italien, Portugal, Vietnam, Tunesien, die Philippinen und Albanien.

(dpa)