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| 19:37 Uhr

Petra Köpping will SPD-Bundesvorsitzende werden
Aus Sachsen an die Spitze einer Traditionspartei

 Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD)  bewirbt sich um den Bundesvorsitz ihrer Partei.
Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD)  bewirbt sich um den Bundesvorsitz ihrer Partei. FOTO: dpa / Robert Michael
Dresden.

Lange war es nur ein Gerücht, jetzt wird es offensichtlich: Petra Köpping will Bundesvorsitzende der SPD werden.

Die sächsische Ministerin für Gleichstellung und Integration will zusammen mit dem Innenminister von Niedersachsen, Boris Pistorius, die Doppelspitze bilden, nach der die SPD seit Wochen verzweifelt sucht. Offiziell werden soll die Kandidatur am Sonntag. Dann wollen Köpping und Pistorius eine gemeinsame Pressekonferenz geben.

Die Partnerfindung war dem Vernehmen nach schwer für die 61-jährige SPD-Politikerin. Während in Sachsen schon länger klar war, dass Köpping für den Parteivorsitz kandidieren will, hakte es in Niedersachsen. Pistorius zögerte, mit einer Kandidatur nach vorn zu gehen, für die auch sein Ministerpräsident, Stephan Weil, im Gespräch ist.

Köpping ist seit 2014 Ministerin in der schwarz-roten Regierung in Sachsen. Sie unterstützte ursprünglich eine Kandidatur ihres Landesvorsitzenden für den Chefposten. Doch Martin Dulig hat deutlich gemacht, dass für ihn die Landtagswahl am 1. September wichtiger ist als bundespolitische Ambitionen.

„Ich kann nicht glaubhaft vor meine Wähler treten, wenn alle denken, der nutzt das nur als Sprungbrett“, sagte Dulig jüngst dem Magazin Cicero. Dulig ist zwar Ostbeauftragter der Sozialdemokraten, aber Köpping ist die Frau, die Themengespür hat und Herzenswärme ausstrahlt.

Die Frau, die erst 2005 der SPD beitrat, hat sich einen Namen gemacht als Anwältin der enttäuschten Ostdeutschen. 2018 erschien ihr Buch „Integriert doch erst mal uns!“, in dem sie berichtet, wie ihr Ministerium, das 2014 für die Flüchtlinge eingerichet wurde, zu einer Beschwerdestelle wurde für den Teil des Ostens, der die Härten der Nachwendezeit noch nicht überwunden hat. Sie ist ein bekanntes Gesicht über Sachsen hinaus und häufiger Gast in Talkshows. Das hat sie zur Hoffnungsfigur der SPD gemacht, im die in Sachsen zurzeit bei acht Prozent durch die Umfragen kriecht.

Köpping hat als Politikerin zunächst außerhalb der Sozialdemokratie Karriere gemacht. Sie begann als noch vor 1989 als Bürgermeisterin von Großpösna (Kreis Leipzig). Im Gespräch war sie zuletzt auch als OB-Kandidatin für Leipzig.

Köpping und Pistorius bilden nun entsprechend ein Tandem aus Mann und Frau sowie Ost und West - so wie es die Doppelspitzen-Idee für die SPD vorsah. Der Posten gilt nach dem Rückzug von Andrea Nahles als schwer vermittelbar. Einzelbewerber fanden sind nicht, dagegen melden sich immer mehr Doppelteams. Im Rennen sind auch Gesine Schwan und Ralf Stegner und zwei weitere Paare.

Auch Bautzens Oberbürgermeister Alexander Ahrens hatte sich gemeldet, im Tandem mit seiner Flensburger Kollegin Simone Lange - um dieses Paar ist es allerdings still geworden. Soeben hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz seine Kandidatur bekannt gegeben. Scholz ist noch auf der Suche nach einer Partnerin.⇥Politik Seite 7

 Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD)  bewirbt sich um den Bundesvorsitz ihrer Partei.
Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD)  bewirbt sich um den Bundesvorsitz ihrer Partei. FOTO: dpa / Robert Michael