| 21:34 Uhr

Pegida tritt auf der Stelle - die Islamkritiker wirken müde

Die beiden Bundesvorsitzenden der Grünen, Simone Peter (r) und Cem Özdemir, sowie Claudia Maicher (l), stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende im sächsischen Landtag, nehmen am 13.04.2015 in Dresden (Sachsen) an einer Gegendemonstration teil. Der niederländische Rechtspopulist Wilders soll am 13.04.2015 bei der Pegida-Kundgebung auftreten.
Die beiden Bundesvorsitzenden der Grünen, Simone Peter (r) und Cem Özdemir, sowie Claudia Maicher (l), stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende im sächsischen Landtag, nehmen am 13.04.2015 in Dresden (Sachsen) an einer Gegendemonstration teil. Der niederländische Rechtspopulist Wilders soll am 13.04.2015 bei der Pegida-Kundgebung auftreten. FOTO: Sebastian Kahnert (dpa-Zentralbild)
Dresden. Filmreifer Auftritt und doch kein richtiges Happy-End: Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders sollte der islamkritischen Pegida-Bewegung in Dresden einen neuen Aufschwung bringen. Vorsorglich hatte Pegida-Gründer Lutz Bachmann den größten Platz der Elbestadt für die „Großkundgebung“ der selbst ernannten Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes angemietet. Claudia Kornmeier

Dort, wo sonst Rockbands wie AC/DC die Fans in Euphorie versetzten, sollte nun vor 30 000 Zuschauern die Rettung des Abendlandes vorangetrieben werden. Doch am Ende unterschied sich der vollmundig angekündigte Auftritt Wilders' kaum von den sonstigen Pegida-Aufmärschen bei ihren wöchentlichen Spaziergängen in Dresden.

Pegida konnte am Montag so den Eindruck nicht ganz verdrängen, dass man auf der Stelle tritt. Vielleicht war auch die Choreografie der angekündigten Großkundgebung nicht ganz stimmig. Schon zwei Stunden vor Beginn hatten sich treue Anhänger vor der Bühne in der Flutrinne - einem Rückzugsraum für das Hochwasser der Elbe - versammelt. Als Wilders knapp drei Stunden später in einer Kolonne aus Nobelkarossen vorgefahren kam, schien ein Teil der Anhänger vom kalten Wind bereits durchgefroren. Der Funke wollte nicht so recht überspringen. Während viele Deutschland-Fahnen straff im Wind wehten, wirkte das Pegida- Volk bei seinen Sprechchören „Lügenpresse“, „Volksverräter“ eher gebremst. Einige Anhänger verließen das Gelände genauso fluchtartig wie Wilders, der unmittelbar nach seiner Rede wieder abrauschte.

Aber auch bei den Pegida-Kritikern, den Bündnissen „Dresden für alle“, „Dresden Nazifrei“ und weiteren Zusammenschlüssen engagierter Bürger, macht sich so etwas wie Demonstrationsmüdigkeit breit. Nach Angaben der Polizei nahmen rund 2500 Menschen an einem Sternmarsch teil, den Parteien, Studenten, Schüler und der Ausländerrat organisierten. Bei weiteren Spontankundgebungen waren es rund 500 Demonstranten. Damit schlossen sich den Gegendemos zwar mehr Menschen an als zuletzt. Doch auch der Protest gegen Pegida ist weit von seiner Hochform entfernt, als mehr als 20 000 Menschen Dresden bei miesem Wetter auf die Straße gingen.

Immerhin zeigte am Montag Parteiprominenz aus Land und Bund Flagge. Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping (SPD) kam, die Bundesvorsitzenden der Grünen Cem Özdemir und Simone Peter führten einen der Protestzüge an. Die Abschlusskundgebung war im Wesentlichen ein Konzert. Statt vieler Worte gab es viel Musik. Dabei hatte Grünen- Landesvorstandssprecher Jürgen Kasek zu Beginn des Sternmarschs noch gesagt, in Sachsen gebe es eine Zivilgesellschaft, die nicht unkommentiert lasse, „dass Menschen auf die Straße gehen und Hass verbreiten“.

Der Politikwissenschaftler Hans Vorländer sieht Pegida auf der Suche nach politischer und parlamentarischer Repräsentation. „Sie wollen sich einreihen in schon etablierte, rechtspopulistische Gruppierungen. Sie suchen den Anschluss.“ Der Dresdner Professor geht davon aus, dass man der bisher nur als Masse aufgetretenen Bewegung nun eine Form geben möchte. Als Beleg nennt er auch die Kandidatur der jetzigen Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling für die Dresdner Oberbürgermeisterwahl im Juni.

Dresden könnte nach Ansicht von Vorländer so etwas wie die Hauptstadt der Pegida-Bewegung bleiben. „Das ist im Augenblick ein Laboratorium. Hier wird etwas ausprobiert.“ Ob das funktioniert, wird erstmals die OB-Wahl im Juni zeigen.