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Pegida: Dresdner Suche nach Freunden

Tausende haben in den vergangenen Wochen an den Pegida-Demos auf dem Altmarkt teilgenommen, heute treffen sie sich an der Messe. Die Veranstalter rechnen mit 30 000 Teilnehmern.
Tausende haben in den vergangenen Wochen an den Pegida-Demos auf dem Altmarkt teilgenommen, heute treffen sie sich an der Messe. Die Veranstalter rechnen mit 30 000 Teilnehmern. FOTO: dpa
Dresden. Es war ruhig geworden um die selbsternannten Retter des abendländischen Volkes vor dem übermächtigen Islam. Nur 2500 Teilnehmer hatte die Polizei bei einer Pegida-Kundgebung Ende März gezählt. Am heutigen Montag wollen die "Patrioten" 30 000 Teilnehmer mobilisieren und zählen auf Unterstützung aus den Niederlanden. Nicht, ohne lauten Protest. Daniel Schauff / mit dpa

Der Dresdner Altmarkt an einem Montag Ende März. Während sich die meisten Stadt-Besucher wenig beeindruckt vom Aufmarsch der Flaggenträger im Schatten der Altmarkt-Galerie zeigen, erklärt ein Vater seinem vielleicht drei- oder vierjährigen Sohn, dass das Polizeiaufgebot nur nötig sei, weil sich die Gegendemostranten nicht benehmen könnten. Von Pegida, so der Vater, gehe keine Gefahr aus.

Wie auch? 2500 Teilnehmer waren an jenem Montag gekommen, hatten sich Baseball-Mützen und Sonnenbrillen aufgesetzt, um ihren Patriotismus zu bekunden. Und um spazierenzugehen. Wie jeden Montag. Auf der Facebook-Seite der "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" brüstet man sich damit, Dresdens Ruf als weltoffene Stadt beschädigt zu haben. "Dresden zeigt, wie es geht", steht da. An diesem Abend ging nur wenig. Selbst am Montag danach, einem Feiertag, kann Pegida nur gut 7000 Anhänger mobilisieren. Am heutigen Montag sollen es 30 000 Anhänger sein, die sich diesmal an der Dresdner Messe versammeln wollen.

Geert Wilders, der Rechtspopulist aus den Niederlanden, der den Islam als eine Krankheit bezeichnet, soll heute die Islamfeinde nach Elbflorenz locken. Die Gemeinsamkeiten mit den Pegida-Anhängern wären damit geklärt. Weitere Gemeinsamkeiten, sagt Wilders selbst, gebe es nicht. "Dresden zeigt, wie's geht", wird Geert Wilders den Pegida-Anhängern entgegenrufen. Und: "Ich bin stolz auf Euch." Auf eine Anfrage der LAUSITZER RUNDSCHAU, wie er von einem Besuch in Dresden profitieren könne, äußert sich Wilders nicht. Auch alle anderen Fragen bleiben unbeantwortet. Nicht nur in den Niederlanden sucht Pegida Unterstützer. Lutz Bachmann hat für heute ein "Internationales Line-up" angekündigt. Gerüchte ranken sich um einen Besuch von Marine Le Pen von der französischen Front National, von Nigel Farage, dem Rechtsaußen-Politiker von der britischen Partei Ukip, auch der Publizist Götz Kubitschek ist angekündigt. Ignaz Bearth aus der Schweiz, und der Satiriker Dr. Alfons Proebstl aus Österreich haben Pegida bereits mit Besuchen ihre Solidarität bekundet.

Nicht zuletzt die laute Kritik an Dresdens Zulassung der Abschlussveranstaltung des Christopher Street Days auf dem Altmarkt am 6. Juni und an Homosexuellen allgemein rückt die vermeintlichen Patrioten immer weiter in die rechte Ecke. Man brauche keine Schwulen und Lesben, die bereits die Kinder in den Schulen mit ihrem übersexualisierten Weltbild beeinflussten, hat Ex-AfD-Frau Tatjana Festerling vor zwei Wochen ihren Zuhörern zugerufen. Bachmanns Hitler-Foto und seine ausländerfeindlichen Äußerungen im Internet haben Pegida gespalten - übrig geblieben ist der rechte Rand.

Grund zur Sorge? Ja und Nein, meint der Leipziger Rechtsex tremismusforscher Oliver Decker. "Die extreme Rechte in Europa ist durch den Einzug von vier Gruppierungen ins Europäische Parlament gestärkt worden", sagt er. Ob sich das aber dauerhaft auch in Deutschland niederschlagen werde, sei noch ungewiss. Eine Wellenbewegung erkennt Decker in den vergangenen Jahren. "In diese Wellenbewegung gehört auch Pegida, aber auch Momentaufnahmen wie die Veröffentlichung von Thilo Sarrazin und anderen, die jeweils etwas mobilisieren, was danach aber wieder abklingt." Allerdings steige mit jeder Welle der Grad der Mobilisierung. Heißt: Wenn etwa die AfD das Potenzial abschöpfe und integriere, könne sich auch ein Phänomen wie Pegida dauerhaft verankern, so Decker. Ob die AfD dazu in der Lage sein wird, ist allerdings unklar. Noch hält sich der Verfassungsschutz zurück - zwar sei die Bewegung des Pegida-Rests nach rechts erkennbar, doch geheimdienstliche Mittel will man vorerst nicht nutzen, heißt es aus dem Landesamt. Wie man sich verhalten wird, wenn Pegida wieder neuen Auftrieb erhält, muss dann erneut abgewogen werden.

Für den Sprecher des Bündnisses "Dresden für alle", Eric Hattke, hat Pegida mit der Einladung Wilders eine "rote Linie überschritten". Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) warnt indes vor ausländerfeindlichen Entgleisungen. "Fremdenfeindliche oder rassistische Ausfälle durch Redner werden wir nicht dulden und konsequent gegen die Veranstalter vorgehen", sagte er am Sonntag. Die große Mehrheit der Sachsen sei weltoffen und Ausländern gegenüber aufgeschlossen, sagte Tillich. "Wir werden uns auch durch rechtspopulistische Gastredner nicht davon abbringen lassen, dies auch immer wieder deutlich zu machen."