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Patienten mit Essstörungen erhalten zu wenig Therapie

Leipzig. Patienten mit Essstörungen erhalten nach Expertenmeinung zu wenig therapeutische Hilfe. Bei der Binge-Eating-Störung etwa, den sogenannten Essanfällen, bestehe noch ein erhebliches Defizit in Deutschland, sagte Prof. dpa/kr

Anja Hilbert vom Adipositas-Forschungszentrum der Universität Leipzig gestern anlässlich eines internationalen Kongresses. Nur etwa 40 Prozent der betroffenen Erwachsenen bekämen eine ausreichende Therapie.

"Patienten mit der Binge-Eating-Störung essen meist heimlich immense Mengen und nehmen dadurch stark zu", sagte die Expertin. "Dabei ist die Kapazität zur Behandlung durchaus vorhanden", sagte Hilbert. Es gebe eine Vielzahl gut ausgebildeter Therapeuten. Sie hätten jedoch zum Teil zu wenig Informationen über diese Krankheit. Aufgabe der Wissenschaft sei es daher, neue Erkenntnisse schnell an die Praxis weiterzugeben, etwa mit Informations- und Weiterbildungsveranstaltungen. Auch das Internet biete nunmehr therapeutische Maßnahmen an. So gebe es Programme, die wissenschaftlich fundiert den Patienten online individuell Hilfe leisten könnten.

Die Ursachen für Binge Eating sind vielfältig. So gebe es psychische Gründe, bei Kindern etwa Probleme im Elterhaus oder zu hohe Leistungsansprüche. Neuere Studien hätten ergeben, das auch genetische Faktoren eine Rolle spielten.

Der Kongress der Eating Desorders Research Society gilt als weltweit größtes Forum für Wissenschaftler, die sich mit Essstörungen befassen. Dazu zählen Magersucht, Ess-Brech-Sucht und Fettleibigkeit.