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Ost-Frauen haben öfter Kinder

Mutter, Vater, Kinder – dieses Familienmodell findet sich in Deutschland nach wie vor am häufigsten.
Mutter, Vater, Kinder – dieses Familienmodell findet sich in Deutschland nach wie vor am häufigsten. FOTO: Christian Charisius (dpa)
Berlin/Dresden. Beim Kinderkriegen gibt es deutliche Unterschiede auf der Landkarte. Frauen in den Stadtstaaten sind am häufigsten kinderlos – Frauen im Osten am seltensten. Das hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Christine Keilholz

Im Mikrozensus für 2016, den das Bundesamt am Mittwoch in Berlin präsentierte, fällt die Verwerfung zwischen Ost und West sofort ins Auge. Deutlich mehr Frauen in den West-Ländern und in Berlin bekommen keine Kinder. Immerhin konnten die Statistiker vermelden, dass die Kinderlosigkeitsquote in den vergangenen Jahren nicht angestiegen ist. Insgesamt zeichnet sich in Deutschland seit einigen Jahren ein leichter Geburtenanstieg ab.

Eine Frau bekommt demnach im Schnitt 1,5 Kinder. Damit steigt die Zahl der Geborenen wieder auf das Niveau der Jahrtausendwende. Der leichte Anstieg seit 2012 hängt nicht nur mit der stärkeren Zuwanderung zusammen - sondern auch mit "Veränderungen im Geburtenverhalten der Gesamtbevölkerung", wie die Macher der Umfrage schreiben.

Dennoch gehört Deutschland damit neben der Schweiz, Italien und Finnland zu den Ländern mit der höchsten Kinderlosigkeit in Europa. Der Anteil der Kinderlosen liegt in den westdeutschen Flächenländern bei 21 Prozent - im Osten dagegen haben je nach Region nur zwischen elf und 13 Prozent der Frauen keine Kinder. In Stadtstaaten wie Berlin ist die Quote mit um die 30 Prozent am höchsten.

Auch Frauen mit akademischem Abschluss bekommen wieder häufiger Kinder. Bei Frauen ohne Studium dagegen steigt die Kinderlosigkeit weiter an. "Der langjährige Trend zur höheren Kinderlosigkeit ist offenbar gestoppt", freut sich Georg Thiel, Vizepräsident des Bundesamtes. Als einen Grund sieht Thiel die verbesserte Vereinbarkeit von Beruf und Familie - wofür vor allem der Ausbau der Kinderbetreuung beigetragen habe.

Denn immer mehr Mütter mit Kleinkindern gehen arbeiten. Der Mikrozensus ergab, dass 44 Prozent der Mütter von einjährigen Kindern erwerbstätig sind. Frauen mit Hochschulabschluss kehren schneller in den Beruf zurück und arbeiten häufiger Vollzeit als noch vor acht Jahren.

Im Mikrozensus 2016 hat das Statistische Bundesamt zum dritten Mal seit 2008 Frauen zur Mutterschaft befragt. Mit rund 800 000 Befragten ist der Mikrozensus die größte jährliche Haushaltserhebung in Deutschland - diesmal zum Thema Familie.

Ein zentrales Ergebnis: Trotz der nach wie vor hohen Kinderlosigkeit werden auch heute etwa 80 Prozent aller Frauen im Laufe ihres Lebens Mutter. Interessant wird es beim Blick in die Details der Befragung. Dabei zeigt sich, dass Zuwanderinnen mit hohem Bildungsstand im Schnitt 1,9 Kinder bekommen - also ebenso viele wie in Deutschland geborene Mütter mit hohem Bildungsstand. Migrantinnen mit geringer Bildung liegen dagegen statistisch bei 2,6 Kindern - während deutschstämmige Frauen mit gleichem Bildungsniveau 2,2 Kinder bekommen. Entscheidende Größe ist also der Bildungsstand der Frauen.