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| 18:29 Uhr

Online-Sprechstunde
Sachsens Ärzte stärken Telemedizin

Arzt mit Stethoskop: Im ländlichen Raum gibt es wie in Sachsen zu wenige Ärzte, um jeden Patienten persönlich und sofort zu behandeln. Hier soll die Telemedizin helfen, der sächsische Ärztetag lässt künftig auch Online-Behandlungen zu.
Arzt mit Stethoskop: Im ländlichen Raum gibt es wie in Sachsen zu wenige Ärzte, um jeden Patienten persönlich und sofort zu behandeln. Hier soll die Telemedizin helfen, der sächsische Ärztetag lässt künftig auch Online-Behandlungen zu. FOTO: dpa / Patrick Seeger
Dresden. Der Ärztetag ändert seine Berufsordnung und lässt künftig Online-Behandlungen zu. Patienten-Vertreter sehen das kritisch. In der Oberlausitz gibt es bereits Modellprojekte der Telemedizin.

Online-Behandlungen und Telemedizin sind künftig auch in Sachsen möglich. Der sächsische Ärztetag stimmte am Samstag für die Zulassung von Fernbehandlungen, wie die Landesärztekammer in Dresden mitteilte. In der Berufsordnung sei nun ein Passus verankert, der „eine ausschließliche Beratung oder Behandlung im Einzelfall erlaubt, wenn dies ärztlich vertretbar ist“. Die Änderung soll voraussichtlich zum 1. September 2018 in Kraft treten.

Der Präsident der Landesärztekammer, Erik Bodendieck, erklärte, der Umbruch müsse mit Augenmaß angegangen werden. Gerade ältere Patienten trauten dem „Teledoktor“ nicht. Er sei auch skeptisch, ob die Zulassung der Fernbehandlungen tatsächlich zu einer Entlastung der Ärzte und Notdienste führen werde. Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen und Rezepte dürften auf diesem Wege nicht ausgestellt werden. Es werde jedoch die Patientenautonomie gestärkt.

Der Deutsche Ärztetag hatte schon Anfang Mai in Erfurt eine Musterberufsordnung zur Telemedizin beschlossen. Die Landesärztekammern müssen jeweils darüber entscheiden, ob sie diese Änderung übernehmen. Wie weit Telemedizin künftig gehen soll, ist auch bundesweit umstritten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte bei den Ärztegremien für reine Online-Sprechstunden geworben. Patienten-Vertreter sehen diese Idee kritisch, da dann die Zahl der Hausbesuche von Ärzten weiter sinken würde, so eine Befürchtung.

Telemedizin gilt im überwiegend ländlich geprägten Ostsachsen als Möglichkeit, Patienten besser zu helfen. Wie die RUNDSCHAU kürzlich berichtete, hält der Chef der Oberlausitz-Kliniken GmbH des Landkreises Bautzen, Reiner E. Rogowski, beispielsweise das zwischen ländlichen Krankenhäusern und der Uniklinik Dresden bereits etablierte Schlaganfall-Netzwerk Ostsachsen als Erfolg. Mithilfe des Netzwerks können demnach Ärzte auf dem Land von der Kompetenz am Hochschulstandort profitieren. Seit einigen Jahren gibt es außerdem das Projekt CCS (Carus Consilium Sachsen) Telehealth Ostsachsen, über das Haus- und Fachärzte in der sächsischen Lausitz ihre spezialisierten Kollegen in Dresden kontaktieren können.

(dpa/oht)