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Nummer zwei

Sachsens Große Koalition ist ja nur deshalb keine große, weil die SPD so klein ist. Aber, das darf gesagt werden, sie tut ihr Bestes, und der Eindruck, den sie macht, ist eigentlich auch ganz gut. ckz1

Da zeigt sich wieder, dass auch kleine Marktakteure was aus sich machen können, wenn sie wichtige Grundregeln beherzigen. Immer freundlich sein am Telefon, stets hilfsbereit und regelmäßig neue Fotos von sich ins Netz stellen.

Sachsens SPD ist nämlich ausgefuchst, sie weiß, es muss kein Nachteil sein, wenn einen alle Welt nur als die freundliche, weiche, gut frisierte Partnerin von irgendwem anders wahrnimmt. Stellen wir uns kurz vor, die Grünen hätten sich 2014 zur Koalition aufgerafft. Die hätten dieses Spiel nie mitgespielt. Drum hocken sie noch in ihrem schwindenden Flora-Fauna-Habitat.

Die SPD aber hat es zur zweitwichtigsten Partei Sachsens gebracht, und das schon zum zweiten Mal. Als neulich Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) auf Reisen war, da twitterte sein Vize Martin Dulig (SPD), dass er jetzt Ministerpräsident sei. Da hat der richtige sehr gelacht, denn das war auch ein großer Spaß.

Dass Dulig dieser Tage mit einer Wirtschaftsdelegation Japan bereist, stört den großen Partner indes nicht weiter. Wozu auch, es sind sowieso Ferien. Nichts los in Sachsen. Andere schicken Bilder von Tiroler Skipisten, der Minister besucht derweil Investoren in Kobe und Schreine in der alten Kaiserstadt Kyoto. Schön angezogene Japanerinnen reichen ihm Tee, eifrige Bedienstete laufen hinter ihm her. Da könnte man sich glatt fühlen wie Nummer eins. Aber dann ist Essenszeit, und wer schneidet den Fisch? Der zweitbeste Sushi-Meister von ganz Japan.