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| 03:04 Uhr

NSU-Ausschuss arbeitet auf Hochtouren

Dresden. Der sächsische Untersuchungsausschuss, der den Terror des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) aufarbeitet, will noch vor Ende der Legislaturperiode weitere Zeugen befragen. Am Montag sind gleich vier geladen, alle Beamte des Berliner Landeskriminalamts (LKA), die mit Verbindungs-Leuten aus der sächsischen Rechtsradikalen-Szene zusammengearbeitet haben sollen. ckh

Zwei Beamte wurden schon im Herbst vor dem Ausschuss befragt: Der frühere Staatsschützer Michael Thur und Kollege Michael Weinreich; aber das Erinnern fiel ihnen schwer. Thur erinnerte sich nicht namentlich an den Chemnitzer Neonazi Thomas S., dessen V-Mann-Tätigkeit belegt ist. Weinreich sprach von drei V-Leuten aus Sachsen. Die Namen fielen ihm nicht ein.

Die Linken-Obfrau im Untersuchungsausschuss, Kerstin Köditz, geht davon aus, dass S. das Trio gekannt hat und im Untergrund unterstützte. Aufschluss darüber soll der Vernehmungs-Marathon am Montag geben. "Warum hat ausgerechnet das LKA Berlin reihenweise sächsische Nazis als V-Leute angeworben", wundert sich Köditz. Die Landtagsabgeordnete schließt nicht aus, dass "die sächsische Polizei von diesen Leihspitzeln profitiert hat". Brisant: Sachsens Staatsschutz hat die Zusammenarbeit mit V-Leuten aus der Szene immer bestritten. Sicher zu sein scheint: V-Mann S. wurde im Jahr 2000 durch das LKA Berlin angeworben, berichtete fortan aus Sachsen, auch über das Terrortrio. Angeworben wurde S. offenbar in der Zentrale des LKA Sachsen. Das geht aus internen Dokumenten hervor. Die zuständigen Beamten erinnerten sich vor dem Ausschuss daran bisher nicht.