ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 18:30 Uhr

Ostritz
NPD will mit Kampfsport und Musik rechte Szene mobilisieren

Die Polizei in Görlitz bereitet sich auf den Großeinsatz vor.
Die Polizei in Görlitz bereitet sich auf den Großeinsatz vor. FOTO: Thomas Knuao/PD Görlitz / Thomas Knaup/PD Görlitz
Ostritz. Bis 1000 Teilnehmer werden zu einem Nazi-Festival an der Neiße erwartet. Polizei bereitet sich auf größten Einsatz der vergangenen zehn Jahre vor.

Musik, Sport und Tattoos – so liest sich das Programm des „Schwert- und Schild“-Festivals, das am Freitag und Samstag in Ostritz stattfinden soll. Das Datum ist nicht zufällig gewählt. Es ist Hitlers Geburtstag. Und was wie ein Freizeitvergnügen für rechte Gesinnungsgenossen klingt, hat in Wahrheit einen harten politischen Hintergrund. „Das Festival soll die Aktions- und Gewaltbereitschaft der rechtsextremistischen Szene stärken“, erklärt der Verfassungsschutz in Sachsen. Es gehe um die Deutungshoheit in der rechtsextremen Szene. Festival-Anmelder Thorsten Heise aus dem Bundesvorstand der NPD will diese offenbar für seine Partei beanspruchen. Erwartet werden Teilnehmer aus ganz Deutschland sowie aus den Nachbarländern.

Ausgesucht haben sich die Rechtsextremen für ihr Treffen mit Ostritz ein kleines Örtchen, das für solche Veranstaltungen schlicht nicht geeignet ist. Das private Hotelgelände unmittelbar an der Neiße ist nur durch einen Bahnhof auf polnischer Seite oder durch die engen Gassen des Ortes an der B 99 erreichbar.

Für die sächsische Polizei bedeutet das Festival einen Großeinsatz, wie man ihn seit Jahren nicht gesehen hat. „Es wird in Ostritz mehr Polizisten und Festivalteilnehmer als Einwohner geben“, sagt Torsten Schultze, Leiter der zuständigen Polizeidirektion in Görlitz. Konkrete Zahlen will er nicht nennen.
Neben dem Nazifestival gibt es vier weitere Versammlungen. Zwei Landtagsabgeordnete der Linken haben eigene Versammlungen angemeldet, die ebenfalls im Ort stattfinden. Dazu werden 500 beziehungsweise 200 Teilnehmer erwartet. Der DGB hat zwei Fahrrad-Touren angemeldet, die aus unterschiedlichen Richtungen zum Friedensfest fahren, das auf dem Marktplatz von Ostritz stattfinden soll. Veranstalter dort sind Vereine und Institutionen aus dem Ort.

Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) ist Schirmherr des Bürgerfestes. „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass die Menschen in dieser Gegend keine Rechtsextremisten tolerieren. Wir lassen uns den Ruf unserer Heimat nicht zerstören“, sagt er.

Hätte sich das Festival verhindern lassen? „Wir sind als Behörde zur Entfaltung verpflichtet. Unsere Aufgabe ist es, Sicherheit und Ordnung angemeldeter Versammlungen zu gewährleisten“, sagt Heike Zettwitz, zuständige Referentin der Kreisverwaltung. Auflagen wird es aber geben, etwa ein Alkoholverbot für Teile des Nazifestivals.

Sachsens SPD-Vorsitzender Martin Dulig hat zur Teilnahme an den Protesten gegen das Festival aufgerufen. Er hoffe, dass besonders viele Menschen den Weg nach Ostritz finden, um ein Signal für ein buntes Miteinander in Sachsen auszusenden, sagte Dulig. „Die Politik und die Zivilgesellschaft müssen bei diesem Thema Haltung zeigen.“

Für die Polizei bedeutet das, dass sie mehrere Großveranstaltungen in unmittelbarer Nähe voneinander trennen muss. Schon bei der Anreise sollen Teilnehmer in der Bahn von Bundespolizisten begleitet werden. Am Bahnhof, der auf polnischer Seite der Neiße liegt, werden polnische Polizisten die Anreisenden übernehmen und über eine schmale Fußgängerbrücke nach Ostritz weisen.

Wer mit dem Auto kommt, muss sich auf Kontrollen durch die Polizei an der B99 gefasst machen. „Wir raten allen Besuchern, entsprechend Zeit einzuplanen“, sagt Polizeisprecher Thomas Knaup.

Für Fragen hat die Polizei ein Bürgertelefon eingerichtet. Unter 03541 468 5555 können Bewohner der Stadt und umliegender Gemeinden Informationen etwa zum Parkverbot oder zu Straßensperrungen erhalten.