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| 02:38 Uhr

Notschlüssel für den Einbrecher

Dresden. Auch in Sachsen zeigt die Kurve bei Einbrüchen nach oben. Auch deshalb, weil es die Täter oft zu einfach haben. Christine Keilholz und Bodo Baumert

Offizielle Zahlen liegen zwar noch nicht vor, aber die Tendenz der vergangenen Jahre zeigt deutlich die Richtung. Seit 2007 häufen sich die Einbrüche von Jahr zu Jahr. Kurze Entspannung gab es immerhin 2012 und 2013, als die Fälle entgegen dem Bundestrend deutlich zurückgingen. Doch die Ruhe hielt nicht lange. 2014 legten die Fallzahlen um sieben Prozent zu, auf an die 3900. Dass der Trend so weitergeht, hat Innenminister Markus Ulbig (CDU) bereits durchblicken lassen. Ulbig stellt nächste Woche die Kriminalstatistik für 2015 vor.

Der Innensprecher der CDU-Landtagsfraktion, Christian Hartmann, preschte gestern vor. Hartmann fordert eine Koordinierungsstelle für den Deliktbereich Wohnungseinbrüche beim Landeskriminalamt. "So können länderübergreifend Informationen gesammelt, abgeglichen und ausgewertet werden, um Bandenstrukturen besser erkennen und die Ermittlungen gezielter koordinieren zu können", meint der CDU-Mann, der wie die Polizeigewerkschaft davon ausgeht, dass organisierte Banden am Werk seien. Dass die durch die Republik reisen, zuschlagen und dann weiterziehen, halten Experten für plausibel. Schließlich schwanken die Fallzahlen von Bundesland zu Bundesland.

In Brandenburg entwickelt sich die Zahl der Einbrüche ganz unterschiedlich. Während der Polizei in den Lausitzer Landkreisen 2015 weniger Fälle angezeigt werden, gibt es in der Stadt Cottbus einen Anstieg von über 20 Prozent.

Auch bei der Aufklärungsquote gibt es kein einheitliches Bild. Während im ländlichen Elbe-Elster-Kreis fast jeder dritte Einbruch aufgeklärt wird, ist es im grenznahen Spree-Neiße-Kreis nur jeder fünfte. Große Probleme hat die Polizei vor allem im Landkreis Dahme-Spreewald. Die Einbruchswelle im Berliner Umland führt dort zu einem Tiefstand bei der Aufklärung: 12,4 Prozent.

Behörden appellieren schon länger an die Bürger, Eigenvorsorge zu betreiben.

Neben der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) haben auch die Länder eigene Programme aufgelegt, mit denen Sicherheitstechnik für Haus und Wohnung bezuschusst wird. In Sachsen ist es die Landesbank (SAB), die Fördermittel für einbruchhemmende Türen und Fenster für Eigenheime und Mehrfamilienhäuser fördert.

Der Bund stellt seit November 30 Millionen Euro für Einbruchschutz bereit. Privateigentümer und Mieter erhalten je nach Höhe der Investitionskosten 200 Euro bis 1500 Euro an Zuschüssen. Damit sollen Alarmanlagen und Gegensprechanlagen eingebaut werden sowie Fenster und Türen nachgerüstet. Was viele aber nicht zu wissen scheinen. Denn von der Landesförderung haben im vergangenen Jahr laut SAB gerade 35 Hausbesitzer Gebrauch gemacht.

Auch bei der neu aufgelegten Richtlinie zur Wohnraumförderung seien "die Nachfragen zur Einbruchssicherung eher verhalten", wie eine Sprecherin mitteilt.

Nachdem sich Leipzig als Sachsens Einbruch-Hauptstadt herausgestellt hatte, legten die Behörden dort ein Informationsprogramm für Wohnungsbesitzer auf. Nicht ohne Grund. 2014 schlugen hier mehr als 1400-mal Bösewichte zu. Die Großstadt ist für Einbrecher attraktiv, auch weil die es in den vielen Gründerzeitbauten leicht haben. Die dort üblichen Flügeltüren, die nur an den Kanten verriegelt werden, sind ohne große Schwierigkeiten aufzuhebeln. Trotzdem, die Sicherheitsberatung wird nur spärlich genutzt.

Auch bei den Laubenpiepern redet sich die Polizei seit Jahren den Mund fusselig. Dort, in den im Winter verlassenen Garten-sparten, wird den Tätern oft geradezu der Tisch gedeckt. Drinnen lockt die teure Sound-Anlage, draußen erleichtern bereitstehende Leitern und Kisten das Einsteigen. Wenn die Fenster überhaupt verschlossen sind. Auch der Notschlüssel unterm Abtreter ist eine Leichtsinnigkeit, die einfach nicht verschwinden will.