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| 01:40 Uhr

Neues vom „Drewitz-Entwickler“

„Beauftragter“ Friedhelm Brandhorst. Foto: Preikschat
„Beauftragter“ Friedhelm Brandhorst. Foto: Preikschat FOTO: Preikschat
Vor drei Jahren hat Friedhelm Brandhorst in der Lausitz als „Vermittler“ für den Kauf des Flugplatzes Drewitz für Schlagzeilen gesorgt. Der Kaufpreis wurde nie bezahlt. Mit ähnlichen Geschäften scheint er jetzt in Niedersachsen unterwegs zu sein. Von Simone Wendler

Die Geschichten, die in diesen Tagen regionale Medien im Raum Oldenburg beschäftigen, werden manchem Lausitzer ebenso bekannt vorkommen wie die beteiligten Akteure: Friedhelm Brandhorst und Dieter Stührenberg.

Der 49-jährige Brandhorst hatte vor drei Jahren als „Projektentwickler“ des Delmenhorsters Stührenberg den Kauf des Flugplatzes Drewitz (Spree-Neiße) eingefädelt. Vollmundig verkündete er, dass auf dem Gelände 60 Millionen Euro investiert würden. Der Vertrag musste jedoch rückabgewickelt werden, weil die vereinbarten zwei Millionen Euro Kaufpreis nie im Spree-Neiße-Kreis eintrafen.

Auch ein Kaufangebot für die damals insolvente Lausitzer Glashütte in Döbern entpuppte sich als Luftschloss. Durch RUNDSCHAU-Recherchen wurde damals indes bekannt, dass Friedhelm Brandhorst wegen Betruges vorbestraft war.

Jetzt tauchte Brandhorst nach einem Bericht des NDR als „Beauftragter“ des neuen Eigentümers eines Oldenburger Postdienstleisters auf. Anfang Juni war die Oldenburger Mail Express GmbH mit 135 Mitarbeitern aus der Insolvenz verkauft worden. Im Juli bekamen die Mitarbeiter keinen Lohn, Anfang August standen sie vor verschlossenen Türen.

„Ich kümmere mich im Auftrag der Eigentümer nur um die Abwicklung der alten Geschäfte“, erklärte Brandhorst am Donnerstag am Telefon. Gestern war er für weitere Nachfragen für die RUNDSCHAU nicht zu erreichen.

Ob der Kaufpreis für den Postdienstleister bisher erbracht wurde, ist unklar. „Nach unseren Kenntnissen ist das noch nicht erfolgt“, so Jürgen Jakobs vom Fachbereich Post und Logistik der Dienstleistungsgewerkschaft verdi in Bremen/Niedersachsen. Die monatlichen Einnahmen der Firma sollen dreimal so hoch sein wie der Kaufpreis. „Uns liegen Informationen vor, dass eine neue Firma gegründet werden soll“, sagt Jakobs. Was das Ziel der ganzen Aktion sei, wisse er nicht.

Andere Anhaltspunkte sprechen indes dafür, dass Brandhorst auch in Niedersachsen wieder mit Dieter Stührenberg zusammenarbeitet. Der Postdienstleister wurde von einer neu gegründeten GmbH&Co KG gekauft, die durch die HSD Verwaltung GmbH vertreten wurde. HSD steht für „Hotel Seeschlösschen Dreibergen“. Das liegt an einem See in Bad Zwischenahn, Geschäftsführer sind laut Homepage Dieter und Nicole Stührenberg.

Ein anderes Hotel in Bad Zwischenahn hat eine Stührenberg-Firma im April gekauft und nicht bezahlt. Auch bei diesem Geschäft tauchte Friedhelm Brandhorst auf. „Der wollte an die Einnahmen heran und hat meinem Rechtsanwalt gedroht“, sagt Eigentümerin Susanne Freese. Im Kaufvertrag sei jedoch eine Vollstreckungsklausel enthalten, falls der vereinbarte Preis nicht pünktlich überwiesen wird. Davon will die Inhaberin Gebrauch machen. Ihr Hotel führt sie wieder selbst.

Der Flugplatz Drewitz ist bis heute in kommunaler Hand. Der Spree-Neiße-Kreis und mehrere Gemeinden müssen noch immer als Gesellschafter Zuschüsse zahlen, um Verluste auszugleichen. Der gescheiterte Verkauf an Stührenberg sollte ihnen diese Last abnehmen. Auf einem Teil der Flächen wird jetzt ein Solarpark gebaut.

Die Döberner Glashütte wurde Ende 2009 erfolgreich aus der Insolvenz verkauft. Seitdem wurden fünf Millionen Euro investiert und 50 Jobs geschaffen.