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Neues Leben in Umgebindehäusern

Die Beliebtheit solcher ungewöhnlichen Häuser nimmt zu. 20 bis 30 neue Eigentümer kommen jedes Jahr hinzu.
Die Beliebtheit solcher ungewöhnlichen Häuser nimmt zu. 20 bis 30 neue Eigentümer kommen jedes Jahr hinzu. FOTO: dpa
Ebersbach-Neugersdorf. In den Kreisen Bautzen und Görlitz befinden sich etwa 6800 von geschätzten rund 20 000 der ungewöhnlichen Blockbauten aus Holz, Lehm, Stroh und Steinen. Am Sonntag kann man in der Oberlausitz schauen, wie es sich darin lebt. Miriam Schönbach

Es ist Bewegung in der Region der Umgebindehäuser im deutsch-tschechisch-polnischen Dreiländereck. Immer mehr Familien verlieben sich in die ungewöhnlichen Blockbauten aus Holz, Lehm, Stroh und Steinen. "Berliner, aber auch Interessierte von noch weiter weg, entdecken diese Architektur aus Fachwerk und Massivbauweise für sich", sagt Arndt Matthes von der Stiftung Umgebindehaus. Am Sonntag lädt diese wieder zum Tag des offenen Umgebindehauses ein.

Bereits zum 13. Mal gewähren dann Besitzer der besonderen Häuser einen Blick in ihre Stuben. Mehr als 100 Objekte sind in Sachsen und den angrenzenden nordböhmischen und schlesischen Gebieten zu besichtigen. "Zum ersten Mal ist auch das Bauernrathaus in Prießnitz im Landkreis Leipzig dabei", sagt Matthes. Daran sehe man, wo es früher überall Umgebindehäuser gab. Durch die Industrialisierung seien sie jedoch überformt worden.

In den Kreisen Bautzen und Görlitz befinden sich dagegen noch etwa 6800 von geschätzten rund 20 000 Umgebindehäusern. Rund 80 Gebäude würden derzeit saniert. "Wir machen etwa 150 Bauberatungen pro Jahr. Zwischen 20 und 30 neue Eigentümer kommen in dieser Zeit dazu", sagt Matthes. Neben den Einheimischen sind es vor allem Auswärtige, die mit dem Kauf dieser besonderen Immobilien auch neuen Schwung in die Dörfer bringen. Gestiegen sei die Haus-Nachfrage mit der Aufnahme der Oberlausitzer Umgebindestraße als neuer Teilabschnitt in die Deutsche Fachwerkstraße.

"Das zieht auch Publikum an, das sich sehr gut mit Fachwerk auskennt", so der Stiftungsmitarbeiter. Trotzdem gebe es Verluste. Aktuell wird ein Haus in Obercunnersdorf abgerissen, das seit Mitte der 1990er-Jahre leer stand. Allerdings werden noch brauchbare Baumaterialien durch die Stiftung Umgebindehaus gesichert, damit sie in einem anderen Fachwerkbau verwendet werden können. Besonders begehrt sind breite Fenster und kleine Originalfenster. Begehrt bei potenziellen Käufern sind auch die kleinen eingeschossigen Gebäude. "Aber diese Häuser sind sehr rar, trotzdem gibt es weiter interessante Objekte. Wir sind dann für Interessierte der richtige Ansprechpartner", sagt Matthes.

Und selbst für größere Objekte würden sich Liebhaber finden. So werden nach seinen Angaben derzeit ein Faktorenhaus in Waltersdorf und ein Hof in Saalendorf mit reicher klassizistischer Ausstattung liebevoll saniert und restauriert.

Bestaunt werden können sie beim Tag des offenen Umgebindehauses, bei dem jährlich rund 5000 Besucher unterwegs sind.