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Neues Gesetz, mehr illegales Glücksspiel?

Rund die Hälfte der 327 sächsischen Spielhallenstandorte muss möglicherweise wegen der Neuregelung schließen.
Rund die Hälfte der 327 sächsischen Spielhallenstandorte muss möglicherweise wegen der Neuregelung schließen. FOTO: dpa
Leipzig. Neu eingeführte strengere Regeln für Spielhallen treiben Spieler nach Ansicht der Automatenbranche in illegale Casinos. Das neue Gesetz, das seit Juli gelte, werde zahlreiche legale Spielhallen zum Schließen zwingen, sagte Georg Stecker, Vorstandssprecher des Verbands Die deutsche Automatenwirtschaft e. dpa/pb

V. in Leipzig. "Wo bleiben dann die Menschen, die spielen? Die werden ausweichen auf illegale Angebote - notgedrungen."

Das neue Gesetz sieht zum Schutz vor Spielsucht unter anderem vor, dass Spielhallen mindestens 250 Meter Luftlinie voneinander entfernt sein müssen. Außerdem dürfen in einem Gebäude nicht mehrere Spielhallen mit je eigener Konzession untergebracht sein.

Rund die Hälfte der 327 sächsischen Spielhallenstandorte müssten wahrscheinlich wegen der Neuregelung schließen, sagte Thomas Breitkopf, Vorsitzender des Verbands der Automatenkaufleute Berlin und Ostdeutschland. 2000 Arbeitsplätze seien in Gefahr. Immer noch bangten viele Betreiber, die bis heute nicht wüssten, ob sie schließen müssen.

Schon jetzt sprießen nach Verbandsangaben illegale Spielstätten aus dem Boden. Sie seien eigentlich als Gaststätten zugelassen, erwirtschafteten aber den Großteil ihres Verdienstes mit Automaten, hieß es. Dort werde Alkohol ausgeschenkt, die Mitarbeiter seien nicht speziell geschult. Die Behörden schafften es oft nicht, gegen solche Einrichtungen vorzugehen.

Die Spielautomatenverbände forderten, dass nicht der Mindestabstand zur nächsten Spielhalle darüber entscheiden sollte, ob ein Standort bestehen bleibt, sondern die Qualität. Spielhallen, die sich freiwillig vom TÜV zertifizieren ließen, sollten bevorzugt werden.

Diese Forderung unterstützt auch die Sächsische Landesstelle gegen die Suchtgefahren. Ansonsten geht Olaf Rilke, Leiter der Dresdner Geschäftsstelle, auf Distanz zur Automatenbranche. "Ich verstehe die Skandalisierung nicht", sagte er. Spielhallenbetreiber hätten mehrere Jahre Zeit gehabt, sich auf das Gesetz einzustellen. Außerdem sei die 250-Meter-Regelung in Sachsen noch großzügig. In Berlin müssten 500 Meter Abstand gehalten werden.

Das Gesetz habe zur Folge, dass sich die Spielhallendichte reduziere, sagte Rilke - und das sei zu begrüßen. Aber auch gegen illegal aufgestellte Automaten müsse vorgegangen werden.

Laut einer aktuellen repräsentativen Erhebung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind 456 000 Menschen zwischen 16 und 70 Jahren in Deutschland problematische und/oder pathologische Glücksspiel-Spieler.