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Netzwerken für einen besseren Kinderschutz

Dresden. Angesichts der steigenden Zahl von Kindern, die in Obhut genommen werden, setzen sich Experten für eine bessere Vernetzung von Ärzten und anderen Akteuren des Kinderschutzes ein. "Die Situation ist alarmierend, wenn wir bedenken, dass in unserer Wohlstandsgesellschaft Kinder vernachlässigt werden", sagte Simone Hartmann, Leiterin der Techniker Krankenkasse Sachsen. dpa/kr

"Die Ursachen sind vielschichtig und verlangen interdisziplinäre Netzwerke."

Nach Angaben des Sozialministeriums wurden 2015 in Sachsen mehr als 4100 gefährdete Kinder und Jugendliche in staatliche Obhut genommen - 1300 mehr als im Jahr zuvor. Zwar sei dieser deutliche Anstieg vor allem auf die 2015 eingereisten unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge zurückzuführen, sagte eine Ministeriumssprecherin. Aber auch unabhängig davon sei in den vergangenen Jahren eine Zunahme der Inobhutnahmen zu verzeichnen.

"Die meisten Inobhutnahmen - abgesehen von denen unbegleiteter minderjähriger Ausländer - gehen mit Überforderung der Eltern beziehungsweise eines Elternteils einher." Häufig gingen Vernachlässigungen und Misshandlungen voraus. "Befördert werden können familiäre Eskalationen auch durch wirtschaftliche Probleme, Arbeitslosigkeit, Armut, Missbrauch von Alkohol und Drogen, psychische Auffälligkeiten, Dissozialität etcetera." Die Fachwelt spreche auch von einer "Zunahme von multikomplexen Problemstellungen in Familien". "Jedes fünfte Kind wächst mit erheblichen psychosozialen Belastungen auf. Kinder in schwieriger sozialer Lage erleben mehr Unfälle, mehr Gewalt, mehr TV-Konsum, haben weniger Bewegung und abwechslungsreiche Ernährung und daher Übergewicht, ADHS, Depressionen", sagt Raimund Geene, Professor für angewandte Kindheitsforschung an der Hochschule Magdeburg-Stendal.