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| 03:07 Uhr

Neonazi-Experten verweigern Aussage

Berlin. Abfuhr für den sächsischen Untersuchungsausschuss zum Nationalsozialistischen Untergrund (NSU): Zwei geladene Sachverständige haben ihr Erscheinen abgesagt. Der Politikwissenschaftler Klaus Schroeder sagte zur Begründung unter anderem, die Landesregierung habe in der Vergangenheit mehrfach die Unterstützung von Forschungsprojekten zu Extremismus bei Schülern abgelehnt. dapd/eb

Er habe dabei den Eindruck gewonnen, "der sächsischen Regierung war nicht sehr daran gelegen, hierüber Genaueres zu erfahren", heißt es in einem Schreiben des Experten von der FU Berlin an den Untersuchungsausschuss. Auch vom emeritierten Politologen Richard Stöss bekam der Ausschuss einen Korb. Stöss habe sich zum Thema "nicht aussagefähig" gefühlt, berichtete der Ausschussvorsitzende Patrick Schreiber (CDU). Beim nächsten Treffen der Fraktions-Obleute müsse nun über das weitere Vorgehen für die Sitzung am 15. Juni beraten werden.

Der Ausschuss untersucht mögliche Versäumnisse der Behörden und der Landesregierung im Zusammenhang mit der Zwickauer Terrorzelle. Dieser wird eine bundesweite Mordserie mit zehn Opfern zur Last gelegt.

Vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags hatten Schroeder und Stöss im März als Experten ausgesagt. In Sachsen allerdings deute vieles darauf hin, dass man nicht so genau wissen wolle, wie die Bürger zum Ex tremismus stehen, sagte Schroe der. Das sei der Hauptgrund dafür, dass er auf eine Mithilfe im Ausschuss verzichte.

Diese Begründung sei "erstaunlich", sagte der Ausschussvorsitzende Schreiber. In diesem Fall berate Schroeder schließlich nicht die von ihm kritisierte Landesregierung, sondern einen Untersuchungsausschuss des Landtags. Die Landesregierung hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.