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| 18:13 Uhr

Wolfs-Attacke
Nach Angriff auf Teichland-Schafe: Sachsen zeigt Wolf die Zähne

Wolfs-Attacke in Förstgen: Tote Schafe der Herde der Naturschutzstation „Östliche Oberlausitz“ liegen auf einer Wiese.
Wolfs-Attacke in Förstgen: Tote Schafe der Herde der Naturschutzstation „Östliche Oberlausitz“ liegen auf einer Wiese. FOTO: dpa / Benno Bilk
Görlitz/Förstgen. Ministerpräsident Michael Kretschmer kündigt Bundesratsinitiative mit Niedersachsen an. Länder nehmen Naturschutzgesetz ins Visier.

Nach dem Angriff von vier Wölfen auf eine Schafherde der Naturschutzstation Östliche Oberlausitz bei Förstgen (Kreis Görlitz) mit mehr als 40 gerissenen Weidetieren will der Freistaat Sachsen den Lausitzer Wölfen die Zähne zeigen.

Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) kündigt nach dem Besuch bei dem betroffenen Weidetierhalter gemeinsam mit dem Land Niedersachsen eine Initiative im Bundesrat an. Es gehe um „Regeln, wie mit dem Wolf zu verfahren ist, weil seine Population immer dichter“ werde. Ausdrücklich betont Kretschmer, den Wolf aus Deutschland nicht wieder vertreiben zu wollen.

Die beiden Bundesländer treten demnach an, das Bundesnaturschutzgesetz zu verändern. Mit einer Entschließung wollten Sachsen und Niedersachsen erreichen, dass Wölfe nicht mehr erst dann getötet werden dürften, wenn ein „erheblicher Schaden“ drohe. Dies solle bereits möglich sein, wenn ein „ernster Schaden zu erwarten“ sei.

Die Nutztiere bei Förstgen weideten hinter einem Elektrozaun von 1,10 Metern Höhe, als sicher gefordert sind 90 Zentimeter. Die Raubtiere überwinden seit Jahren immer höhere Schutzzäune. Auch ein Durchwühlschutz nutzte in der Oberlausitzer Teichlandschaft nichts gegen die hungrigen Tiere. Das Daubener Rudel, aus dem die Räuber vermutlich stammten, lebt seit etwa zehn Jahren in der Gegend und hat reichlich Nachwuchs. Sechs Welpen sind in diesem Jahr nachgewiesen worden, fünf im vergangenen. Im Spätsommer und Herbst erlernt der Nachwuchs das Jagen – mit großen Verlusten für die Nutztierhalter.

Die Naturschutzstation hält 550 Schafe und Ziegen. Beweidet werden 160 Flächen in der Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft. Das ist aktiver Naturschutz durch das Offenhalten von Flächen.

Unter strenger Kontrolle soll dem Vorstoß Sachsens folgend auch selektiv in die Wolfspopulation eingegriffen werden. Denn Wölfe dringen in der Lausitz inzwischen öfter bis in bewohnte Gebiete vor. Die Bundesregierung soll auch aufgefordert werden, für Rechtssicherheit in Gebieten zu sorgen, in der Schutz vor dem Wolf nicht oder nur eingeschränkt realisiert werden kann. Dem Tier soll vor allem dort Einhalt geboten werden, wo es von Menschen genutzten Gebäuden zu nahe komme.

Während Nutztierhalter und Jäger behaupten, der Wolf habe sich in der Lausitz bereits zu stark ausgebreitet, sprechen Wildbiologen vom Gegenteil. Demnach werde die Population noch wachsen, denn vor allem das reiche Wild-Angebot biete noch Nahrung für weitere sesshafte Rudel. Und das sei entscheidend für die Territorialentscheidung.

Sachsen fordert deshalb, die Überprüfung der Wolfspopulation statt derzeit aller sechs Jahre in jeden Jahr.

Attacken von Wölfen auf Weidetiere sind deutschlandweit zu verzeichnen. Selten aber erreichen sie das Ausmaß von Förstgen.