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| 03:03 Uhr

Nabu fordert mehr Sachlichkeit bei Ansiedlung des Wolfs

Leipzig. Eine Petition von Wolfsgegnern stellt Sachsens Wolfsmanagement infrage. Umweltverbände warnen indes vor Hysterie. Christine Keilholz

In der Diskussion um die Wiederansiedelung des Wolfs fordert der Naturschutzbund (Nabu) mehr Sachlichkeit. "Bisher ist aber kein Trend zu erkennen, dass die Anzahl der Nutztierschäden in Relation zur wachsenden Wolfspopulation dauerhaft ansteigt", erklärt der Nabu-Landesvorsitzende Bernd Heinitz.

Der Verband reagiert damit auf die neuerlichen Proteste von Schäfern in der Sächsischen Schweiz (die RUNDSCHAU berichtete) gegen das Wolfsmanagement der schwarz-gelben Staatsregierung. Eine regionale Initiative hat dort 10 000 Unterschriften gegen die weitere Ausbreitung des streng geschützten Raubtiers gesammelt und eine entsprechende Petition am Landtag eingereicht. Darin fordert die Initiative den Abschuss einzelner Tiere, die dem Menschen zu nahe kommen. Eine Antwort des Umweltministeriums auf die Forderungen wird in der kommenden Woche erwartet.

Umweltverbände wie der Nabu setzen indes auf den Managementplan. Der sieht neben dem Schutz des Wolfs auch Förderungen für Tierhalter vor. Für Herdenschutzzäune übernimmt der Freistaat beispielsweise 60 Prozent der Kosten.

Heinitz weist darauf hin, dass der Wolf "zu den prioritären Arten" der europäischen Richtlinie für Flora und Fauna-Habitate (FFH) gehört. "Nationale oder gar sächsische Alleingänge, die dem widersprechen, sind nicht möglich und auch nicht nötig", so der Nabu-Chef. "Vielmehr sollten wir die Rückkehr der Wölfe als Chance begreifen für die Artenvielfalt, das ökologische Gleichgewicht und nicht zuletzt auch für die touristische Entwicklung in den Wolfsgebieten im Freistaat."

Experten beziffern den Wolfsbestand aktuell auf 34 Rudel in Deutschland, plus einige territoriale Einzelwölfe. Zwölf dieser Rudel leben laut Büro Lupus in Sachsen, zehn in Brandenburg, zwei in Mecklenburg-Vorpommern und drei in Sachsen-Anhalt. Von den sächsischen Wolfsfamilien können sich zurzeit sieben über Nachwuchs freuen - das zeigen Aufnahmen der Fotofallen bei den Rudeln von Niesky, Daubitzer, Nochtener und dem Seenland-Rudel.