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Mobiler mit den Grünen

Dresden. Die Umfragen für die Grünen in Sachsen stehen schlecht. Der Braunkohleausstieg, den sie fordern, ist nicht mehrheitsfähig. Im anstehenden Bundestagswahlkampf setzt die Partei lieber auf fahrende Züge. Christine Keilholz / ckz1

Der Schwerpunkt der Schwerpunkte ist für Sachsens Grüne die Mobilität. Dafür hat das Wahlkampfteam des Landesverbands sogar ein eigenes Plakat aufgelegt. Mobilität wird somit das wichtigste Thema der Grünen in diesem Bundestagswahlkampf.

Den Auftakt dazu bestritten sie gestern passenderweise auf einer grünen Wiese in Dresden. Nirgendwo sonst in Sachsen ist die Partei so stark wie in der Landeshauptstadt. Hier sind sie drittstärkste Kraft und Teil der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit.

Sachsens Grüne sind ein Großstadtphänomen - weiter draußen im Land haben sie dagegen nie recht Fuß fassen können. Das zeigt sich auch beim Personal. Die Liste für die Bundestagswahl am 24. September führen eine Leipzigerin, ein Dresdner und eine Chemnitzerin an. Spitzenkandidatin Monika Lazar ist überzeugt, dass Sachsen mehr als jedes andere Bundesland eine Stärkung der Demokratie braucht. Die 49-jährige Bäckerin und Betriebswirtin aus Leipzig-Connewitz sitzt seit 2005 für die Grünen im Bundestag. Ihre Fachthemen dort: Sport und Rechtsextremismus. "Unsere Zivilgesellschaft wollen wir mit einem Demokratiefördergesetz stärken und so die Verbände und Organisationen in Sachsen unterstützen, die sich für ein weltoffenes Sachsen einsetzen", sagt sie.

Kandidat Nummer zwei, der Dresdner Stephan Kühn, ist der Mobilitätspolitiker im Team. "Die Große Koalition hat Sachsen vom Fernverkehr abgehängt", sagt der 37-jährige Soziologe, der seit 2009 im Bundestag sitzt. Kein sächsisches Bahnprojekt hat oberste Priorität in Berlin. "Wir wollen alle großen Städte im Freistaat wieder anbinden", so Kühn.

Ein ehrgeiziges Vorhaben, denn weder die geballte Macht der CDU-SPD-Landesregierung noch die sächsischen Bundestagsabgeordneten haben verhindern können, dass Sachsen im aktuellen Bundesverkehrswegeplan so gut wie leer ausgeht. Höchstens in ferner Zukunft wird demnach in Chemnitz wieder ein Fernzug halten und eine Fahrt von Dresden nach Berlin weniger als zwei Stunden dauern. Hilft also nur der Nahverkehr, für den planen die Grünen ein Zukunftsprogramm.

Was das grüne Kernthema Klimaschutz betrifft, haben die Kandidaten klare Vorstellungen für Sachsen. "Ohne den Braunkohleaustritt ist kein wirksamer Klimaschutz möglich", sagt Kühn. Auch in Sachsen, dem "klimapolitischen Sorgenkind", sei die Energiewende notwendig.

Kandidatin Nummer drei, die Chemnitzerin Meike Roden, will die pädagogische Arbeit in Sachsen verbessern. Die 25-jährige Psychologie-Studentin spricht sich für ein Kita-Qualitätsgesetz aus, das bundesweit einheitliche Mindeststandards beim Betreuungsschlüssel festlegt. Überhaupt wollen die Grünen am 24. September drittstärkste Kraft im Bund werden. Nach aktuellem Stand werden die Sachsen dazu nicht viel beisteuern können. Die letzte Umfrage im Auftrag des MDR sah die Grünen bei drei Prozent - bei der Bundestagswahl 2013 kamen sie auf 4,9 Prozent.