| 02:38 Uhr

Millionen für Melodien

Musische Bildung wird in sächsischen Familien groß geschrieben. Jeder zehnte Grundschüler im Land besucht eine Musikschule.
Musische Bildung wird in sächsischen Familien groß geschrieben. Jeder zehnte Grundschüler im Land besucht eine Musikschule. FOTO: dpa
Dresden. Fast 430 Millionen Euro steckt der Freistaat bis 2018 in Kunst und Kultur. Davon profitieren Kurzfilmer, Archivare und fleißige Musikschüler. Christine Keilholz / ckz1

Über frisches Geld können sich die Musikschulen freuen. Innerhalb von 25 Jahren haben sich die Kinder, die ein Instrument lernen, nahezu verdoppelt.

Auch auf dem Land, wo die Schüler insgesamt weniger werden, ist der Drang zum Instrument über die Jahre kontinuierlich gestiegen. Die hohe Nachfrage nach Musikunterricht ist auch Zeichen dafür, dass geförderte Einstiegsprojekte greifen.

In Sachsen besucht mittlerweile jeder zehnte Grundschüler eine öffentliche kommunale Musikschule. An die restlichen 90 Prozent richten sich Programme wie "Jedem Kind ein Instrument" (JeKi). Mehr als 11 000 Erst- und Zweitklässler erhielten mit JeKi seit seiner Einführung 2009 kostenlosen Unterricht. Die Idee: Wo Musikschulen weit entfernt sind, geht der Musikunterricht mit dem normalen Schulunterricht zusammen.

Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) will deshalb einen erheblichen Teil der Kulturförderung an die Musikschulen weitergeben. Der Freistaat will so die Häuser beim Kauf von Instrumenten unterstützen. "Wir stärken Projekte, die sich gezielt der kulturellen Bildung widmen", sagte Stange gestern in Dresden.

Fast 430 Millionen Euro hat der Freistaat im aktuellen Haushalt für Kulturförderung lockergemacht. 2017 können mehr als 213 Millionen ausgegeben werden, weitere 216 Millionen 2018. Wohin das Geld fließen soll, verkündete Stange gestern. Ihr gehe es um "Qualität und Erhalt der Vielfalt im gesamten Land", erklärte die 59-jährige Ministerin. Die Mittel für Kunst und Kultur, sagte sie, stiegen derzeit "so stark wie seit Jahren nicht mehr". Für 2017 bedeutet das ein Plus von fast 13 Millionen.

Mit dem vor allem die Kultur auf dem Land gestärkt werden soll. Neben den Musikschulen betrifft das die kulturelle Bildung und die Landeskulturverbände.

Auch die Sicherung des audiovisuellen Erbes und der Umgang mit Nachlässen sächsischer Künstler können konzeptionell vorangebracht werden, erklärte Stange.

Das Leipziger Kurzfilmfestival "kurzsuechtig" und das Festival "Meetingpoint Music Messian" erhalten erstmals eine institutionelle Förderung und können damit auf einer verlässlichen Basis weitermachen.

Das vom Kunstsammler Egidio Marzona zusammengestellte Archiv der Avantgarden des 20. Jahrhunderts soll dank Kulturförderung gesichtet und archiviert werden. Der Deutsch-Italiener hat seine auf 120 Millionen geschätzte Sammlung der Stadt Dresden vermacht, um, wie er sagte, das Bürgertum der Stadt zu ermutigen, sich zu engagieren.

Ein großer Teil der Mittel fließt auch in die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, das Landesamt für Archäologie, in das Museum für Archäologie in Chemnitz und in die Staatstheater.

Dass auch der Kulturraum-Topf in diesem Jahr größer wird, ist der Ministerin besonders wichtig. Für die Kulturräume stehen 2017 und 2018 jeweils knapp 100 Millionen Euro zur Verfügung. "Es liegt nun in der Verantwortung der regionalen Gremien, ob ein Teil der gestiegenen Mittel auch für die Tarifsteigerung den kommunalen Theatern und Orchestern zugutekommt", betont Ministerin Stange.