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Michael Kretschmer
Ein neuer Lausitzer an der Spitze Sachsens

Michael Kretschmer, Generalsekretär der CDU Sachsen, spricht am 06.10.2017 in Dresden  zu Beginn des Deutschlandtag der Jungen Union. Nun soll er Ministerpräsident werden.
Michael Kretschmer, Generalsekretär der CDU Sachsen, spricht am 06.10.2017 in Dresden zu Beginn des Deutschlandtag der Jungen Union. Nun soll er Ministerpräsident werden. FOTO: Monika Skolimowska / dpa
Dresden/Görlitz. Seinen Wahlkreis Görlitz hat er überraschend an die AfD verloren: Dennoch gilt Michael Kretschmer als Hoffnungsträger die CDU in Sachsen. Was kann er für die Lausitz tun?

Wenn Michael Kretschmer neuer Regierungschef von Sachsen wird, gehört er zu den jüngsten deutschen Politikern in diesem Amt. Auch wenn Helmut Kohl bei seinem Amtsantritt als Länderchef 39 Lenze zählte und Sigmar Gabriel erst 40 war - aktuell wäre Kretschmer mit 42 Jahren der jüngste deutsche Ministerpräsident.

Dabei sah noch vor dreieinhalb Wochen die Karriere des gebürtigen Görlitzers alles andere als rosig aus. Bei der Bundestagswahl verlor Kretschmer ausgerechnet in seiner Heimatregion das Direktmandat gegen einen bis dato namenlosen AfD-Mann, den Malermeister Tino Chrupalla. Am Tag darauf gab er zu, wie schon seit 2002 mit einem Sieg gerechnet zu haben.

Einen „Plan B“ habe er nicht, sagte der zweifache Vater geknickt. Er zog sich in den Tagen danach zurück. Vertraute berichten, dass ihm die Niederlage an die Nieren ging.

Denn bis dato war Kretschmer genauso erfolgsverwöhnt wie die CDU im Freistaat, die nach der Wende dreimal hintereinander die absolute Mehrheit bei Landtagswahlen errang und erst seit 2004 die Macht mit anderen teilen muss. Seit 2005 amtierte er zudem als Generalsekretär der Sachsen-CDU, 2009 wurde er Vizefraktionschef der CDU/CSU- Bundestagsfraktion und war unter anderem für Forschung und Bildung verantwortlich.

Dabei erwies er sich als fähiger Netzwerker, holte immer wieder Fördermittel des Bundes in den Freistaat. Auch die Lausitzrunde hat er bei ihren Treffen in Berlin begleitet. Die guten Kontakte zur Bundesebene könnten Kretschmer nun in seinem neuen Amt von Vorteil sein. Er soll die gemeinsame Lobby-Arbeit für die Kohleregion Lausitz mit Brandenburg beim Bund fortsetzen.

Vorschusslorbeeren gibt es aus den eigenen Reihen. „Er hat großes rednerisches Talent, er hat Charisma, er stammt von hier“, sagt CDU-Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Politisch gesehen ist Kretschmer so etwas wie ein Wendekind. „Für Politik begeisterten mich Freunde aus der Jungen Gemeinde, mit denen ich im Wendeherbst 1989 die Friedensgebete in Görlitz besuchte. Eine bis heute prägende Zeit“, schreibt Kretschmer in seiner Biografie auf seiner Website. Tatsächlich stieg er schon mit 19 Jahren in den Politikbetrieb ein - als Stadtrat in Görlitz. Der gelernte Informationselektroniker studierte später an der Dresdner Fachhochschule Wirtschaftsingenieurwesen.

Schon lange wurde Kretschmer als Kronprinz für eine spätere Nachfolge von Ministerpräsident Stanislaw Tillich gehandelt. Kretschmer steht vor einer Mammutaufgabe. In nur zwei Jahren muss er die Union in Sachsen wieder so aufstellen, dass sie wieder stärkste Kraft im Freistaat wird und die AfD auf Abstand hält.

(dpa)