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| 18:34 Uhr

„Die packt besser an als mancher Mann“
Melina wird Sachsens erste Bergfrau

 Melina Schneider wird zur ersten sächsischen Bergfrau bei der Bergsicherung Sachsen ausgebildet. Sie ist auch aktiv in der Freiwilligen Feuerwehr. Nach der Ausbildung möchte sie in die Grubenwehr, die Bergbau und Feuerwehr verbindet.
Melina Schneider wird zur ersten sächsischen Bergfrau bei der Bergsicherung Sachsen ausgebildet. Sie ist auch aktiv in der Freiwilligen Feuerwehr. Nach der Ausbildung möchte sie in die Grubenwehr, die Bergbau und Feuerwehr verbindet. FOTO: Georg Ulrich Dostmann / ERZ-Foto/Georg Ulrich Dostmann
Schneeberg. Die 18-jährige Melina Schneider macht als erste sächsische Bergfrau Schlagzeilen.  Von Sybille von Danckelman

Die 18-jährige Schneebergerin Melina Schneider hat sozusagen die Gnade der späten Geburt – vor zehn Jahren hätte sie einen anderen Beruf wählen müssen, denn erst 2009 wurde das Arbeitsverbot für Frauen unter Tage bundesweit abgeschafft.

Dass Melina Schneider in der Männerdomäne Bergbau richtig ist, hat schon der erste Anruf bei ihrem Ausbilder deutlich gemacht. „Sie macht ihr Zeug spitze. Die packt besser an als mancher Mann“, sagt Michaela Steinert-Klipphahn, die Assistentin der Geschäftsführung bei der Bergsicherung Sachsen in Schneeberg, über die junge Frau. Melina Schneider arbeitet als Sachsens erste Berg- und Maschinenfrau, unter 40 Bergmännern. Auch in ihrer Lehrlingsklasse am Berufsschulzentrum Julius Weisbach sitzen außer ihr nur Männer.

Die Abiturientin hat damit kein Problem: Für sie ist entscheidend: „Ich kann anpacken, ich kann was mit meinen Händen schaffen.“ Dass es im Stollen durchaus auch mal richtig eng und stickig und körperlich anstrengend wird, sei kein Problem. Hauptsache, sie habe nicht jeden Tag den gleichen Ablauf, ein Bürojob wäre schlimmer für sie, sagt Melanie Schneider.

Die TU Bergakademie Freiberg ist  stolz auf Sachsens erste Bergfrau. Melanie Schneider wird in diesem Jahr im Rahmen ihrer Ausbildung Station im Forschungs- und Lehrbergwerk „Reiche Zeche“ der TU machen. In dem 1969 stillgelegten Silber- und Buntmetallbergwerk wird sie in Grundlagen der Vermessung, der Bewetterung eingeführt, lernt was über Vortrieb (bohren, sprengen, laden, fördern). „Der Bergbau wächst weltweit und nimmt den Menschen immer mehr aus dem Prozess vor Ort, weg von den Gefahren und gesundheitlichen Belastungen“, sagt Bergbau-Professor Carsten Drebenstedt. „Das digitale Bergwerk ist die Zukunft, da sind Geschlechterfragen irrelevant.“

Melina Schneider ist der Beweis. Die Anforderungen und Fächer in der Schule bereiten ihr keine Bauchschmerzen, im Fach Technologie, in dem es „um die ganzen Maschinen und Fördertechniken geht, bin ich sehr aufmerksam dabei“.

Und Sachsens Oberberghauptmann Prof. Dr. Bernhard Cramer begrüßt ebenso die Tätigkeit von Frauen in Bergbauberufen, Abwechslung und Auseinandersetzung mit Natur und Technik böten verschiedene berufliche Möglichkeiten. „Die Anforderungen an die Physis des Bergmanns, die wohl in der Vergangenheit als ein wichtiger Aspekt hinter dem Verbot für Frauen untertage standen, spielt zwar immer noch eine gewisse Rolle. Allerdings rückt das Verständnis für Technik und die Fähigkeit zum Umgang mit Technik immer stärker in den Vordergrund.“

Dies alles trainiert die angehende Bergfrau Melina Schneider täglich auf den Baustellen der Bergsicherung. Derzeit muss ein Tagebruch, nach Verbrüchen im Untergrund quasi ein Loch in der Straße, nahe des Plauener Alaunbergwerks gesichert und verwahrt werden. Und der Rest des Alltags als Berg- und Maschinenfrau – Arbeitskluft, Spitzhacke, Grubenlampe, Dreck und die „üblichen derben Späße unter Männern“ sind ohnehin keine Herausforderung für die taffe Schneebergerin. „Das muss man abkönnen“, so Melina Schneider.

Auch, dass ihre Freunde sie anfangs für „verrückt“ erklärt haben. Inzwischen hätten sie sich mit ihrem Beruf angefreundet. Ihre Eltern sowieso, die waren gleich begeistert. Der Apfel fällt ja nicht weit vom Stamm – der Opa war auch Bergmann.