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| 19:34 Uhr

Leerstandsquote
Mehr Wohnungen in Sachsen stehen leer

 Die Leerstandsquote in Sachsen ist wieder gestiegen.
Die Leerstandsquote in Sachsen ist wieder gestiegen. FOTO: dpa / Jan Woitas
Dresden. Vor allem in den Großstädten sind bezahlbare Mieten oft Mangelware. Branche warnt vor Panikmache. dpa

In Sachsen stehen erstmals wieder etwas mehr Wohnungen leer. Nach Angaben des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft (vdw) blieben im vergangenen Jahr im Schnitt 10,3 Prozent der Mietwohnungen ungenutzt, 2017 waren es noch 9,9 Prozent.

Selbst in Städten wie Dresden, Leipzig und Chemnitz sei die Quote von 4,4 auf 4,8 Prozent gestiegen, sagte vdw-Direktor Rainer Seifert am Dienstag in Dresden. Auf dem Land seien sogar 14,5 Prozent der Wohnungen ohne Mieter. Den Angaben zufolge stehen bei den rund 130 im Verband organisierten Unternehmen damit 6100 Wohnungen in den drei großen Städten und 24 700 Wohnungen auf dem Land leer.

Seifert warnte vor Panikmache vor einer Wohnungsnot und blindem Aktionismus gerade in den Metropolen. Zwar begrüße die Wohnungswirtschaft in den Städten „Neubau mit Augenmaß“. „Mit größtem Druck jetzt aber innerhalb weniger Monate Tausende neue Wohnungen in Leipzig, Dresden und Chemnitz aus dem Boden stampfen zu wollen, überhitzt den Markt und treibt die Grundstücks- und Baupreise unnötig in noch höhere Dimensionen.“

Nach Einschätzung des Verbandes Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG), der Anfang März eine Analyse vorgestellt hatte, ist Wohnungsnot vor allem eine Frage des Geldbeutels: Demnach hat jeder fünfte Haushalt in Sachsen wegen zu geringer Einkommen Probleme bei der Wohnungssuche. Die Betroffenen könnten entweder die gewünschte Wohnung gar nicht erst anmieten oder blieben auf bestimmte Regionen und Quartiere beschränkt, hieß es.

In den drei sächsischen Großstädten liegt die durchschnittliche Kaltmiete bei den im vdw organisierten Unternehmen bei 5,53 Euro pro Quadratmeter, 13 Cent mehr als 2017. Sachsenweit sind es 5,12 Euro, acht Cent mehr als im Jahr zuvor. „Die Mieten bleiben damit auf einem stabilen und sehr günstigen Niveau“, betonte Seifert. Die Verbandsunternehmen planen in diesem Jahr den Neubau von 330 Wohnungen in Sachsen, außerdem ist der Abriss von 800 Wohnungen vor allem im ländlichen Raum geplant.

Der vdw vertritt rund 130 Unternehmen mit mehr als 300 000 Mietwohnungen – etwa ein Viertel des Gesamtbestandes. Die Unternehmen investierten 2018 eigenen Angaben zufolge rund 384 Millionen Euro in Neubau, Instandhaltung und Modernisierung – in diesem Jahr sind Investitionen von 486 Millionen Euro geplant. Die Mittel fließen demnach sowohl in die Metropolen als auch in den ländlichen Raum.

Sorge bereitet der Wohnungswirtschaft der Berg von DDR-Altschulden, der mit einer Summe von insgesamt 470 Millionen Euro auf den Mitgliedsunternehmen laste. Seifert sprach von einer „gigantischen Last“ und forderte die Politik auf, den Wohnungsunternehmen die Schulden zu erlassen. Der Bund müsse 30 Jahre nach der Wende ein Zeichen setzen, um die Lebensverhältnisse in den ostdeutschen Ländern weiter anzugleichen.

 Die Leerstandsquote in Sachsen ist wieder gestiegen.
Die Leerstandsquote in Sachsen ist wieder gestiegen. FOTO: dpa / Jan Woitas