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Mehr Aue für die Lausitzer Spree

Beliebt ist die Spreeaue zwischen Cottbus und Burg inzwischen auch bei Paddlern. Der Flussabschnitt ist renaturiert worden. Die Spreeaue hat sich zu einem Touristenmagneten entwickelt.
Beliebt ist die Spreeaue zwischen Cottbus und Burg inzwischen auch bei Paddlern. Der Flussabschnitt ist renaturiert worden. Die Spreeaue hat sich zu einem Touristenmagneten entwickelt. FOTO: Peggy Kompalla
Pirna/Cottbus. Der Fluss soll wiederbekommen, was er mal hatte: Schwungvolle Arme, flache Ufer und saftige Feuchtwiesen. Dafür setzt Sachsen nun das nächste Großprojekt aufs Gleis. In Brandenburg ist die Cottbuser Spreeaue ein Beispiel für erfolgreiche Renaturierung. Christine Keilholz

Die Spree bei Halbendorf gleicht eher einem Kanal als einem gesunden Fluss. Das soll sich in den nächsten Jahren ändern. Auf fünf Kilometern Länge will die Landestalsperrenverwaltung (LTV) dem Fluss sein natürliches Gesicht wiedergeben. Den naturnahen Flussausbau mitsamt Hochwasserschutzanlagen hat die Landesdirektion vorige Woche genehmigt.

Die Spree war in Sachsen und Brandenburg lange Zeit ein geschundener Fluss. Für die intensive Landwirtschaft wurde der Lauf begradigt, Nebenarme wurden abgeschnitten und Uferwiesen trockengelegt. Der Braunkohle-Abbau verdrängte den Fluss stellenweise ganz - wo er im Weg war, wurde er umgeleitet. Bis in die 1980er-Jahre wurden in den Spreeauen Entwässerungsgräben angelegt, um neues Ackerland und Wiesen zu gewinnen. So verschwand der Auenfluss, der die Spree einmal war, fast vollständig.

Die Auen zurückzubekommen, wird ein Prozess von vielen Jahren. Auf Brandenburger Seite haben etliche Großprojekte stellenweise die Natur zurückgeholt.

Das millionenschwere Gewässerrandstreifenprojekt im Spreewald und die Spreeauen-Renaturierung nördlich von Cottbus gehören zum "Masterplan Spree" des Brandenburger Landesumweltamtes. Das Ziel: Abschnittsweise sollen Ufersicherungen abgebaut, dazu Kleingewässer und Nebenarme wieder angeschlossen werden.

Auf sächsischer Seite soll das neue Großprojekt bei Halbendorf den natürlichen Fluss zurückbringen. Zwischen den Malschwitzer Ortsteilen Lämischau und Neudorf setzt der Freistaat auf einen naturnahen Flussausbau. Die Altwasser-Arme, die in den 1920er -Jahren abgetrennt wurden, sollen wieder Anschluss bekommen.

Was auch dem Schutz vor Hochwasser dient. Die Auen standen früher öfters im Jahr unter Wasser. Das gehörte ebenso zum Leben am Fluss wie auch die Trockenphasen.

Man renaturiere grundsätzlich, wo immer es geht, heißt es aus der Talsperrenverwaltung. "Es geht dabei um vielfältige Lebensräume", sagt Sprecherin Katrin Schöne. So werden an den Ufern Bäume gesetzt, deren Wurzeln dem Boden Halt geben. Die Bäume sind wiederum Lebensräume für viele Tierarten, die lange Zeit an der Spree keine Chance mehr hatten.

Alte Wehre, die nicht mehr gebraucht werden, kommen weg. Damit wird der Fluss durchlässiger, auch für wandernde Fische. Ufer werden mit natürlichen Mitteln stabilisiert.

So soll laut Landesdirektion auch in Lömischau das alte Wehr abgebaut werden. Die Sohlschwelle Neudorf wird demnach in eine Sohlgleite umgewandelt. Die Gemeinde Malschwitz wie auch Halbendorf sollen neue Hochwasserschutzanlagen bekommen. Der neue Deich für Halbendorf wird am linken Flussufer rund 500 Meter lang und rund drei Meter hoch. Geplant ist eine freistehende Spundwand mit Anschüttungen, dazu ein fünf Meter breiter Schutzstreifen auf beiden Seiten. Ein solcher Deich ist ausgelegt für Hochwasser, wie sie statistisch alle 100 Jahre vorkommen. Auf der rechten Seite soll ein 25 Meter langer Erdwall die nahen Häuser schützen. Auf 250 Metern Länge werden zudem Sedimente abgetragen - und damit das Gelände abgeflacht.

Solche Renaturierungen sind letztlich dort am ehesten möglich, wo die Ufer nicht bebaut sind.