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| 09:06 Uhr

Sachsen
Mehr Anfragen nach Kirchenasyl

Dresden. Gotteshäuser sind oft die letzte Hoffnung für Flüchtlinge.

(dpa/fh) In Sachsen gab es im vergangenen Jahr deutlich mehr Anfragen nach Kirchenasyl. Allein bei der evangelischen Landeskirche gingen mit 123 mehr als doppelt so viele ein – von Anwälten, Betroffenen oder Unterstützern, wie der Ausländerbeauftragte Albrecht Engelmann sagt. „Oft herrscht ein eigenartiges Verständnis nach dem Motto: Wenn es beim Staat nicht klappt, machen wir es bei der Kirche.“ In 28 Fällen wurde tatsächlich Kirchenasyl gewährt, bei der katholischen Kirche waren es zwei.

2016 lag die Zahl der Anfragen bei nur 50, in elf Fällen wurde die Kirche im Sinne der Betroffenen tätig. Laut Engelmann ist zu einem Fünftel das Problem das Dublin-System der EU. Demnach muss das Land ein Asylverfahren übernehmen, in dem ein Flüchtling zuerst EU-Boden betreten hat. Manche, die dort abgelehnt würden, versuchten es erst dann in Deutschland, wo sie gleich vorläufigen Schutz hätten. „Es fehlen Europa-einheitliche Standards.“

Die Pfarrer in den Bistümern Görlitz und Dresden-Meißen sind angehalten, Betroffene an die Sächsische Härtefallkommission zu verweisen, die Entscheidungen im Asylverfahren prüft, sagt Daniel Frank, Leiter des Katholischen Büros Sachsen. „Unsere sehr restriktive Linie ist mittlerweile bekannt.“ Anfragen erledigten sich meist beim ersten Telefonat. Eines der beiden Kirchenasyle läuft noch.

In diesem Jahr gingen bei der Landeskirche bisher 32 Anfragen ein, in fünf Fällen wurde Kirchenasyl gewährt. Die Kirchgemeinden bringen die Betroffenen im Gemeindehaus oder in Gästewohnungen unter, berichtet Engelmann. Vor dem Zugriff des Staates sicher seien sie im Ernstfall aber auch dort nicht. „Die Kirche ist kein rechtsfreier Raum.“

Nach Angaben von Engelmann geht es bei der Klärung der Probleme oft um Fragen des Umgangs, um Familienzugehörigkeit oder um psychische Folgen, die als Aspekt für eine Schutzwürdigkeit nicht beachtet wurden. Oder es wurde ignoriert, dass die Betroffenen schon voll integriert sind. Die Bittsteller stehen meist vor der Abschiebung - wie ein Afghane, der in Dänemark Christ wurde und ungeachtet des Glaubenswechsels zurück in die Heimat sollte.

Mit dem Kirchenasyl werde „Zeit gekauft“, im Sinne der Betroffenen aktiv zu werden, sagt Engelmann. Manchmal sorgten der Mangel an Informationen oder Kommunikationsprobleme dafür, dass wichtige Dinge nicht zur Sprache gekommen seien. „Oder das Vertrauen fehlt.“ Die Erfolgsquote lag bei gut 76 Prozent: 23 Kirchenasyle endeten positiv.

(dpa)