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| 02:40 Uhr

Martin-Effekt

Kommentar. Die sächsische SPD hat 60 neue Mitglieder und weiß auf einmal wieder, wie sich Erfolg anfühlt. Schade nur, dass der beflügelnde Martin-Effekt nichts mit dem Landesvorsitzenden der Partei zu tun hat. Christiane Keilholz

In der langen Geschichte der Literatur gab es immer wieder solche Bücher, die lange rumliegen mussten, bis endlich alle eins haben wollten.

Das Parteibuch der SPD ist auf einmal dermaßen gefragt, dass der Verlag mit dem Drucken nicht hinterher kommt. Da scheint ein Hit unterwegs zu sein.

Weil Gabriel geht und Schulz kommt, frühlingt es in den Mitgliederlisten der großen alten Partei. An einem kalten Wochenende im Januar schrieben sich 36 Menschen bei der SPD Sachsen ein.

60 Freiwillige innerhalb einer Woche, das ist "ein Novum", staunt Generalsekretärin Daniela Kolbe und freut sich über "ordentlich Schwung", für die anstehenden Aufgaben.

Zuvörderst die, endlich eine ernstzunehmende Konkurrenz für die Linke zu werden. Dazu braucht es reichlich Schwung. Schauen wir auf die Zahlen: Von knapp 600 Sachsen, die im Jahr 2016 erwogen, einer roten Partei beizutreten, gingen 260 zur SPD. Aber 330 gingen lieber zur Linken und setzten dort den Altersdurchschnitt auf 68 Jahre herab.

Die SPD ist plötzlich sexy. Es ist wieder Musik drin für Obergenossen, die Martin heißen und gern von ihrer Herkunft aus der Mitte der arbeitenden Bevölkerung erzählen.

Heraus kommen Geschichten wie die: Bei Familie Dulig stand in den 80er-Jahren ein rot-weißes Kofferradio auf dem Küchenbord. Da war Musik drin, meistens aber der Deutschlandfunk, erzählte Martin Dulig neulich beim Deutschlandfunk-Empfang im Dresdner Zwinger, um die dort versammelte Führungsriege des Senders zu beeindrucken. Und siehe da, heute ist der Martin Minister. (ckz1)