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Mann von Polizist erschossen: Notwehr?

Görlitz. Verhängnisvoller Notruf: Der Polizeieinsatz in Mittelherwigsdorf in Ostsachsen, bei dem ein Verdächtiger erschossen wurde, wird von der Mordkommission der Dresdner Kriminalpolizei untersucht. Gegen einen Beamten wird wegen Körperverletzung mit Todesfolge ermittelt, wie die Staatsanwaltschaft Görlitz als Herrin des Verfahrens am Freitag mitteilte. dpa/uf

Dabei geht es darum, ob der Einsatz der Dienstwaffe am Donnerstag durch Notwehr gerechtfertigt war. "Solche Fälle sind sehr selten", hieß es. Wegen der nötigen Distanz hat die Görlitzer Polizei die Untersuchung abgegeben.

Die insgesamt vier Polizisten waren wegen einer Auseinandersetzung eines Sohnes mit seiner Mutter zu einem Wohnhaus im Ortsteil Eckartsberg gerufen worden. Bei dem Einsatz wurde der 23-Jährige getötet. Ein Polizist gab drei Schüsse ab, wie Oberstaatsanwalt Sebastian Mathieu sagte. Das deckt sich mit dem Obduktionsergebnis. Der junge Mann verblutete noch auf dem Grundstück, wo er mit seinen Eltern, zwei Geschwistern und der Großmutter gewohnt hatte. Er war der Polizei bekannt, laut Mathieu wegen "einfacher Kriminalität".

Bei ihm besteht nach Angaben der Behörden der Verdacht der vorsätzlichen Körperverletzung und Bedrohung gegenüber der Mutter sowie des Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte. Die 47-Jährige hatte die Polizei alarmiert, weil sie von ihrem Sohn attackiert werde. Der Notruf wurde laut Mathieu aufgezeichnet. Zum konkreten Geschehen gibt es derzeit keine Informationen. Die Beamten sind dienstunfähig und nicht vernehmungsfähig, alle Beteiligten werden psychologisch betreut. Unter anderem Ballistiker und Kriminalbiologen untersuchen den Tatort.

Die Ermittlungen gegen den 23-Jährigen sind laut Mathieu nötig, um den Fall aufzuklären, werden danach aber eingestellt.