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| 18:50 Uhr

Sachsen
Mann mit Gestaltungsanspruch

Sachsens neuer Kultusminister Frank Haubitz (parteilos) sitzt am 15.11.2017 vor Beginn der Sitzung des Sächsischen Landtages im Plenarsaal des Landtags in Dresden (Sachsen). Foto: Monika Skolimowska/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Sachsens neuer Kultusminister Frank Haubitz (parteilos) sitzt am 15.11.2017 vor Beginn der Sitzung des Sächsischen Landtages im Plenarsaal des Landtags in Dresden (Sachsen). Foto: Monika Skolimowska/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ FOTO: Monika Skolimowska / dpa
Dresden. Bis vor vier Wochen leitete Frank Haubitz ein Dresdner Gymnasium. Jetzt soll er das sächsische Schulsystem auf Vordermann bringen. Von Christine Keilholz

Frank Haubitz hat nicht lange gefackelt. Ein knapper Monat lag zwischen seiner Ernennung als neuer Kultusminister Mitte Oktober und seiner Vereidigung an diesem Mittwoch. Und schon ist klar, wo der 59-Jährige im Amt hinwill. Mit seinem Vorstoß, die sächsischen Lehrer verbeamten zu wollen, hat er sich gerade erst Gehör verschafft.

Die Forderung ist nicht neu. Auch Haubitz‘ Vorgängerin Brunhild Kurth (CDU) brachte die Verbeamtung gelegentlich ins Spiel. Sie erntete damit viel Aufmerksamkeit, aber wenig Zuspruch. Im Vergleich dazu hat Haubitz nun den Bulldozer in Fahrt gesetzt. Er machte  gleich deutlich, warum. Aus seiner Sicht gibt es keine Alternative.

Die Situation, die er im Amt vorfand, nannte Haubitz kürzlich in einem Interview „ziemlich beängstigend“. Bis zum nächsten Schuljahr, sagt er, müssten mehr als 2000 neue Lehrer in Vollzeit eingestellt werden. Mit „viel Glück“ komme vielleicht die Hälfte zusammen. Mit 450 Seiteneinsteigern nach den nächsten Winterferien und vielen offenen Stellen kann das System nach seiner Einschätzung zudem nur funktionieren, wenn die Lehrer mehr arbeiten. Denn erschwerend kommt hinzu, dass fast ein Drittel der sächsischen Lehrer in Teilzeit steckt. In dieser Gemengelage sei die Verbeamtung „das nachhaltige Instrument, um den Lehrerbedarf langfristig zu sichern“.

Haubitz macht mit solchen Aussagen klar, er will nicht einfach der nächste Minister sein, der den Mangel verwaltet. Damit dürfte Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) gerechnet haben, er lobte den langjährigen Schulleiter aus Dresden bereits als Mann mit „starkem Gestaltungsanspruch“. Haubitz bringe eine „hohe Glaubwürdigkeit und langjährigen Praxisbezug“ mit in das Ministerium, das Brunhild Kurth kurz vor den Herbstferien überraschend verlassen hatte. Die 63-Jährige erklärte ihren Rückzug mit dem Wunsch, zu ihren Kindern nach Stuttgart zu ziehen.

Kurths Weggang versetzte Tillich in Handlungszwang. Aber dann kam noch viel mehr dazu. Die für die sächsische CDU desaströse Bundestagswahl forderte auch vom Regierungschef selbst Konsequenzen. Die Berufung des Kultusministers Frank Haubitz kam schließlich einen Tag nach Tillichs eigener Rücktrittsankündigung. Von dem Mann, der lange Jahre den sächsischen Philologenverband leitete, erhofft sich der scheidende Ministerpräsident einen „reibungslosen und kraftvollen Übergang im Ministeramt“.

Haubitz schickt sich nun an, die unsicheren Tage unter einem austrudelnden Chef gut zu nutzen. Zumal für die Zeit ohnehin eine Kabinettsumbildung ansteht. Wann, wenn nicht jetzt, lassen sich Pflöcke einschlagen! Und so scheint auch eine Lehrerverbeamtung im Bereich des Möglichen. Die scheiterte bislang am Beharrungswillen der CDU-Finanzpolitik ebenso wie an der Skepsis der Opposition, die Nachteile für die Stammlehrerschaft fürchtet. Der große Umschwung in der sächsischen Personalpolitik steht jedenfalls noch aus. Die CDU-geführte Staatsregierung scheut wie ehedem dauerhafte Kosten. In den 90er-Jahren wurden Tausende DDR-Lehrer in den Ruhestand gebeten – aber kaum neue eingestellt. Im Vertrauen darauf, dass schon genügend Nachwuchs da sein werde, wenn man ihn braucht, drehte die CDU auf Sparflamme. Es lief ja auch so – bis sich vor fünf Jahren der Mangel nicht mehr leugnen ließ.

Brunhild Kurth hangelte sich von Schuljahr zu Schuljahr, rang ihrer Regierung hier ein paar Extra-Stellen, da ein paar Lehramts-Studienplätze, dort ein Gehaltsplus ab.

Zum Schuljahresstart im August bewarben sich auf 1400 freie Lehrerstellen gerade mal 1160 ausgebildete Lehrer, von denen die Hälfte für Gymnasiem ausgebildet ist. Bewerbungen für Grund-, Ober- und Förderschulen kamen kaum rein. Am Ende gelang es mit Ach und Krach, für Grund- und Oberschulen je knapp 500 Kandidaten zu finden. Das gibt einen Eindruck, was Frank Haubitz 2018 zu stemmen hat.