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Mal wieder Bau-Zoff in Elb-Florenz

Die Wyndham Hotel Gruppe setzt bei ihren Neueröffnungen auf moderne Zweckbauten – hier das jüngst eröffnete Hotel in München. In Dresden stört dies zahlreiche Traditionalisten.
Die Wyndham Hotel Gruppe setzt bei ihren Neueröffnungen auf moderne Zweckbauten – hier das jüngst eröffnete Hotel in München. In Dresden stört dies zahlreiche Traditionalisten. FOTO: obs/CopyrightWHG
Dresden. Dresden kennt das: Es soll gebaut werden – und die Wächter des alten Stadtbilds lehnen ab. Diesmal geht's um ein Hotel. Christine Keilholz / ckz1

Es wird keine Schönheit werden. Und, nun ja, auch preislich nicht gerade gehoben. Das "Super 8"-Hotel, das in Dresden-Neustadt nahe der Marienbrücke entstehen soll, erregt die Gemüter, seitdem Anfang des Jahres die Pläne über den Bau bekannt wurden. Die Wyndham Hotel Group mit Sitz in München will das neue Hotel bereits 2018 auf der Neustadtseite eröffnen. Doch im Moment kommt das Projekt nicht voran. Das Verwaltungsgericht Dresden hat im Juni einen Baustopp angeordnet. Grund ist die Klage eines Nachbarn. Dieser hatte Widerspruch eingelegt gegen die vom Rathaus erteilte Baugenehmigung. Er stört sich unter anderem am Aussehen. Erste Pläne, die die Hotelgruppe Anfang des Jahres vorstellte, sehen einen nüchternen, scharfkantigen Kastenbau in dunklem Weiß vor. Ein Unding für Traditionalisten - von denen es in Dresden reichlich gibt.

Zumal der Hotel-Riegel nicht weit von der guten Stube der Stadt stehen soll. Und dort gilt der Grundsatz: Barock und bürgerliche Baukultur. Im historischen Zen trum kann kein Stein auf den anderen gesetzt werden, ohne dass das zu Stildebatten führt.

Modernistische Extreme und gestalterische Spirenzchen sind mehr oder weniger unerwünscht. Im Dreieck zwischen Frauenkirche, Zwinger und Brühlschen Terrassen soll das barocke Dresden wiedererstehen, wie es die stolzen Bürger gern gehabt hätten und wie es die Touristen erwarten. So hat es die Stadt schon Mitte der 90er-Jahre beschlossen. Damals kam wieder Bewegung in die zerbombten Quartiere mitten in der Stadt, die ein halbes Jahrhundert brach und unbebaut dalagen.

Letzter Richter in Stilfragen ist indes nicht die Stadtverwaltung, sondern die vielen Quartiers-Freundeskreise und Architektur-Gesellschaften. Es gab schon Zoff, weil Geschäftshäuser am Neumarkt Fassaden bekommen sollten, die für Barock-Enthusiasten zu glatt waren. Wenn also die Gesellschaft historischer Neumarkt Dresden, ein mächtiger Traditionalistenverein, den Daumen über einem Bauplan senkt, dann können sich Bauherren auf zähe Verfahren einstellen. Oder gleich alles über den Haufen werfen und neu zeichnen.

Auch am "Super 8"-Hotel hat die Gesellschaft Historischer Neumarkt keine Freude. In einem offenen Brief hat sich die Gesellschaft nun an gleich zwei Beigeordnete von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) gewandt. Darin bemängelt der Vorstandsvorsitzende Torsten Kulke die "städtebauliche und architektonische Qualität" des geplanten Hotels. Zudem weist er darauf hin, dass das Grundstück an der Elbe, das die Wyndham-Group erworben hat, noch nie bebaut gewesen sei. Es tangiere einen besonders schützenswerten Grünstreifen des Uferbereichs der Elbe.

Für das Verwaltungsgericht, das Ende Juni im Eilverfahren den Baustopp aussprach, waren indes gestalterische Belange unwichtig. Die Richter fanden, dass das Vorhaben die vorgeschriebenen Abstandsflächen zum Grundstück des Antragstellers nicht einhalte - und befanden die Baugenehmigung "aller Wahrscheinlichkeit nach" als rechtswidrig.

Das Gebäude soll auf einem rund 2400 Quadratmeter großen Grundstück entstehen und Platz für 176 Zimmer bieten. Als Gäste rechnet Wyndham mit Urlaubern und Geschäftsreisenden.